Aldous Huxley – Schöne neue Welt

Nach der Kant Biografie und meiner Faszination für dessen Ideen bin ich mal 150 Jahre weiter gegangen und habe “Schöne neue Welt” von Aldous Huxley aus dem Jahre 1932 gelesen. Kant hatte eine Idee vom “ewigem Frieden”, die mir auf den ersten Blick sehr logisch und vernünftig erschien. Kants Idee wurde allerdings in einer Zeit geboren, die noch sehr von Ständen und Religionen beherrscht wurde und vom Standpunkt der Aufklärung her geschrieben worden ist.

Aldous Huxleys versucht in seinem Roman “schöne neue Welt” einfach mal so eine Welt zu konstruieren und zu beschreiben. Inwieweit Herr Kant in Huxleys Gedanken eine Rolle gespielt hat, weiß ich nicht. Im Buch stellt Huxley die Aussagen der “schönen neuen Welt” denen von Shakespeare gegenüber.

Hier ein paar Eckpunkte der Schönen neuen Welt:

  • Statt Gott gibt es “Ford”. Die neue Zeitrechnung bezieht sich auf das Jahr der Erfindung des Fließbandes von Henry Ford. Der Roman spielt 600 Jahre nach Ford.
  • Es gibt keine Kriege mehr
  • Dank fortgeschrittener Medizin altert die Hülle des Menschen nicht mehr
  • Die Angst vor dem Tod wurde abgeschaft. Er ist ein natürlicher Teil des Lebens.
  • Eltern wurden abgeschafft und Nachkommen mehr oder weniger gezüchtet
  • Jeder ist glücklich
  • Jeder dient jedem und hat bis ins hohe Alter Sex (es gibt Sexualhormonkaugummis).
  • Wenn der Mensch unglücklich zu werden droht, erhält er sogenannte “Soma” Tabletten, die einen Glückszustand ohne Nebenwirkungen ermöglichen

naja, … und so weiter.

Das Buch wird heute, glaube ich, in jeder deutschen Schule gelesen (hoffentlich). Ich hatte es jedenfalls noch nie gelesen (Vermutlich war ich gerade nicht beim Unterricht 🙂 ).
Gerade nach den Ideen von Herrn Kant ist es schon ein wenig niederschmetternd, dieses Buch zu lesen. Aufklärung ist nicht wirklich gewollt in der “schönen neuen Welt”.

Im 17. Kapitel erklärt der “Boss” dieser Welt, der Weltaufsichtsrat Mustafa Mannesmann m Gespräch mit einem “Wilden” und zwei Einwohnern der Schönen neuen Welt, wie alles funktioniert. Hier ein kleiner Ausschnitt:

“Industrielle Zivilisation ist nur ohne Selbstverleugnung möglich. Selbstbefriedigung bis an die äußersten Grenzen, die Volksgesundheit und Volkswirtschaft gesetzt sind. Sonst stehen die Räder still! … Die Zivilisation hat nicht den geringsten Bedarf an Edelmut oder Heldentum. Derlei Dinge sind Merkmale politischer Untüchtigkeit. In einer wohlgeordneten Gesellschaft wie der unseren findet niemand Gelegenheit zu Edelmut und Heldentum. Solche Gelegenheiten ergeben sich nur in ganz ungefestigten Verhältnissen. Wo es Kriege gibt, Gewissenskonflikte, Versuchungen, denen man widerstehen, und Liebe, die man erkämpfen oder verteidigen muß – dort haben Heldentum und Edelmut selbstverständlich einen gewissen Sinn. Aber heutztage gibt es keine Kriege mehr. Mit größter Sorgfalt verhindern wir, das ein Mensch den anderen zu sehr liebt. Und so etwas wie Gewissenskonflikte gibt es auch nicht: Man wird so genormt, daß man nichts anderen tun kann, als was man tun soll. Und was man tun soll ist im Allgemeinen so angenehm und gewährt den natürlichen Trieben soviel Spielraum, daß es auch keine Versuchungen mehr gibt. Sollte sich durch einen unglücklichen Zufall wirklich einmal etwas Unangenehmes ereignen, nun denn, dann gibt es Soma, um sich von der Wirklichkeit zu beurlauben.”

Ich das Buch gelesen auf einer Reise mit Bahn, Zug und PKW in Narbonne, Genf, Bern, Luzern, Zürich, Berlin, Braunschweig, Frankfurt. An allen Punkten habe ich Parallelen zum Buch gefunden. Automatische Treppen, Türen, Trams, Fahrkarten-, Ticket- und Hoteleincheckautomaten. Gadgettragende “glückliche” Menschen die den Werbetafeln die überall in atemberaubender Größe hängen sehr gleichen. Und die meisten scheinen glücklich zu sein. Neben mir schreibt gerade ein vollständig von der Firma Apple ausgerüsteter extrem wichtiger Mensch an einer seiner “Keynote” Presentation über Visions, Missions, etc …
Ich muß schon sagen.
Viel fehlt nicht mehr zur “schönen neuen Welt”.

 

Aber wo kriegen die alle Ihr Soma her?

Airport Zürich2008-11 Meilenwerk Berlin

Immanuel Kant – Biographie

Warum lese ich 636 Seiten über Immanuel Kant? Eigentlich ganz einfach. Ich habe in mal ein paar Jahre in einer Kantstraße gewohnt und wollte immer wissen, was das eigentlich für einer war. Bei unserem Büchergroßeinkauf im Juli habe ich dann auch diese Biografie gefunden. Das Lesen war ganz schön hart! Aber der Mann hat was! Und besonders seine Ideen!
Vielleicht zunächst nur die bekannten Highlights:

  • Der Kategorische Imperativ:
    „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
  • Kants Antwort auf die Frage “Was ist Aufklärung?”
    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude [wage es verständig zu sein]! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)
    … Das muß man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen …. 1784 !!!
  • Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf:
    „Denn wenn das Glück es so fügt: daß ein mächtiges und aufgeklärtes Volk sich zu einer Republik (die ihrer Natur nach zum ewigen Frieden geneigt sein muß) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der föderativen Vereinigung für andere Staaten ab, um sich an sie anzuschließen und so den Freiheitszustand der Staaten gemäß der Idee des Völkerrecht zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nach immer weiter auszubreiten.“
  • usw …

Mir war nicht klar, welche Sprengkraft in diesen Überlegungen damals lag (und heute liegt). Ich habe sechs Wochen für das Buch gebraucht. Bin oft beim Lesen eingeschlafen aber es hat mich nicht losgelassen. Dem Autor gelingt eine gute Mischung aus Kants Biografie und Kants Werk. Das machte es mir leichter, den teilweise für mich “komplexen” Gedanken zu folgen. Manches habe ich dreimal gelesen. Ob ich es verstanden habe, weiß ich nicht. Aber es hat einen Klick in meinem Kopf bewirkt … and arbeitet gewissermaßen im Hintergrund weiter 🙂

Nur mal so am Rande:

  • Die Kritik der reinen Vernunft wurde 1827 vom Vatikan auf das Verzeichnis verbotener Bücher gesetzt.

  • In Tokio im Tempel der Philosophen hängt seit über 100 Jahren ein Bild mit dem Titel Die vier Weltweisen mit der Darstellung von Buddha, Konfuzius, Sokrates und Kant.

  • Das am 1864 in Königsberg enthüllte und 1945 von den Russen verschleppte Standbild von Kant wurde auf Initiative von Marion Gräfin Dönhoff nachgegossen und 1992 wieder aufgestellt.

Gebrauchsanweisung für die Schweiz

Das Buch habe ich in der Schweiz geschenkt bekommen. Ich weiß nicht, ob es ein Wink mit dem Zaunpfahl war oder einfach nur eine Hilfestellung :-). Ich habe mich jedenfalls darüber gefreut und eifrig gelesen. Als ein aus der norddeutschen Tiefebene stammender Niedersachse ist die Schweiz so ziemlich das Gegenteil von allem, was ich kenne. Aber ich lerne gerade – die Schweiz ist schon aufregend um nicht zu sagen – irgendwie cool!

Aber zurück zum Buch – hier eine “offizielle Kurzbeschreibung”:

Sie glauben die Schweiz zu kennen? Sie waren oft dort, lieben Käsefondue, Raclette und den Säntis? Sie wissen nichts. Erst jetzt, mit diesem Buch, öffnen sich die Abgründe der Bilderbuchheimat von Wilhelm Tell, wird Ihnen ein Leitfaden für die Schweizer Seele geboten.

Mit einem liebevollen Augenzwinkern und schonungsloser Freude am Detail erzählt Thomas Küng, wie das viersprachige Alpengärtlein zwischen Bankverein und Toblerone wirklich funktioniert.

Dem sind nur ein paar mir vorher völlig unbekannte Worte zum “neugierig machen” hinzuzufügen:

Kennen Sie:

  1. Hornussen?
  2. Jass?
  3. Schwingen?

Und ein Bild muß es auch noch geben. Diesen Zettel fand ich morgens an meinem Auto, ungeachtete des französisches Nummernschilds.

Und eine dicke fette Toblerone habe ich auch mitgenommen. Und ich weiß jetzt natürlich: seit dem Verkauf an Kraft ist das nichts wirklich Schweizerisches mehr. Aber zu Sprüngli mit den Luxemburgerlis wars dann doch zu weit.

Und nächste Woche geht es wieder in die Schweiz. Ein Joomla! Workshop in der Bern im Veteidigungsministerium – any questions? 🙂

Es sieht dort übrigens wirklich so aus, wie ich mir das immer beim Spielen mit meiner Modelleisenbahn vorgestellt habe!

Zofingen