Immanuel Kant – Biographie

Warum lese ich 636 Seiten über Immanuel Kant? Eigentlich ganz einfach. Ich habe in mal ein paar Jahre in einer Kantstraße gewohnt und wollte immer wissen, was das eigentlich für einer war. Bei unserem Büchergroßeinkauf im Juli habe ich dann auch diese Biografie gefunden. Das Lesen war ganz schön hart! Aber der Mann hat was! Und besonders seine Ideen!
Vielleicht zunächst nur die bekannten Highlights:

  • Der Kategorische Imperativ:
    „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
  • Kants Antwort auf die Frage “Was ist Aufklärung?”
    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude [wage es verständig zu sein]! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494)
    … Das muß man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen …. 1784 !!!
  • Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf:
    „Denn wenn das Glück es so fügt: daß ein mächtiges und aufgeklärtes Volk sich zu einer Republik (die ihrer Natur nach zum ewigen Frieden geneigt sein muß) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der föderativen Vereinigung für andere Staaten ab, um sich an sie anzuschließen und so den Freiheitszustand der Staaten gemäß der Idee des Völkerrecht zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nach immer weiter auszubreiten.“
  • usw …

Mir war nicht klar, welche Sprengkraft in diesen Überlegungen damals lag (und heute liegt). Ich habe sechs Wochen für das Buch gebraucht. Bin oft beim Lesen eingeschlafen aber es hat mich nicht losgelassen. Dem Autor gelingt eine gute Mischung aus Kants Biografie und Kants Werk. Das machte es mir leichter, den teilweise für mich “komplexen” Gedanken zu folgen. Manches habe ich dreimal gelesen. Ob ich es verstanden habe, weiß ich nicht. Aber es hat einen Klick in meinem Kopf bewirkt … and arbeitet gewissermaßen im Hintergrund weiter 🙂

Nur mal so am Rande:

  • Die Kritik der reinen Vernunft wurde 1827 vom Vatikan auf das Verzeichnis verbotener Bücher gesetzt.

  • In Tokio im Tempel der Philosophen hängt seit über 100 Jahren ein Bild mit dem Titel Die vier Weltweisen mit der Darstellung von Buddha, Konfuzius, Sokrates und Kant.

  • Das am 1864 in Königsberg enthüllte und 1945 von den Russen verschleppte Standbild von Kant wurde auf Initiative von Marion Gräfin Dönhoff nachgegossen und 1992 wieder aufgestellt.

Leave a Reply