Das Buch der Illusionen – Paul Auster

Ein amerikanischer Professors (David) schreibt in den achtziger Jahren ein Buch über den verschwundenen Stummfilmstar Hector Mann. Dessen Filme gelten als verschollen. David spürt sie auf, schaut sie sich an und schreibt die "Die stumme Welt des Hektor Mann". Jahre nach der Veröffentlichung des Buches erhält er Besuch von Alma. Sie erzählt ihm das Hector lebt und die atemberaubende Geschichte dieses Lebens.

Ich weiß gar nicht so genau, was mich so an diesem Buch fasziniert. Es ist die Art, wie Paul Auster schreibt. Nachdem ich ein paar Seiten gelesen habe, kam ich mir vor, wie ein Teil der Geschichte. Als sehe ich die Ereignisse, rieche den Duft der Umgebung und höre die Geräusche. Auf der anderen Seite sind es die genauen Beobachtungen, die "Kleinigkeiten" die mich ganz schön an das Buch "fesselten".

Ein großer Teil der Story kreist darum, dass Hektor nach seinem Verschwinden Filme dreht, die keiner, außer ihm gesehen hat und die nach seinem Tode verbrannt werden sollen.
Wow … welch ein Ansatz.
Die ganze Welt ist momentan (2009) dabei, sich auf unterschiedlichen Wegen auszutauschen und gemeinsam mit Google und Wikipedia die Daten der Welt zu erfassen, zu kategorisieren und Hektor will sein Werk verbrennen!
An diesem Ziel habe ich eine ganze Weile geknabbert. Was bringt einen Menschen dazu, so etwas zu tun?

Eine Form der Strafe war durch eine andere erstezt worden, und in der wirren, selbstquälerischen Logik seiner Entscheidung hatte Hector seine Schuld weiterhin bei einem Gott abgetragen, an den er nicht glaubte. Die Kugel, die ihm in der Bank in Sandusky die Brust aufriss, hatte es ihm möglich gemacht, Frieda zu heiraten. Der Tod seines Sohnes hatte es ihm möglich gemacht, zum Filmemachen zurückzukehren. Beides jedoch hatte ihn nicht von seiner Verantwortung für die Geschehnisse in der Nacht des 14. Januar 1929 freigesprochen. Weder die körperlichen Schmerzen durch Knox’ Kugel noch die seelischen durch Taddys Tod waren grausam genug, ihn zu erlösen. Mach Filme, ja. Nimm dazu all deine Talente und Kräfte zusammen. Mach sie, als hinge dein Leben davon ab, und wenn dein Leben vorbei ist, sorg dafür, dass sie vernichtet werden. Du darfst nicht die geringste Spur hinterlassen.

Als David aus New Mexico zurück nach Vermont kommt fällt ihm folgendes auf:

Ich war nur drei Tage und zwei Nächte fortgewesen, aber während meine Abwesenheit war alles kleiner geworden: geschrumpft, dunkel, klamm. Das Grün der Wälder um mein Haus kam mir unnatürlich vor, viel zu üppig im Vergleich zum Ocker und Braun der Wüste. Die Luft klebte vor Feuchtigkeit, die Erde war weich unter den Schuhen, und wohin ich mich auch wandte, überall sah ich das wilde Wuchern pflanzlichen Lebens und erschreckenden Verfall: durchnässte Zweige und Rindenstücke, die auf Pfaden moderten, Pilze und Schwämme an den Bäumen, Mehltauflecken an den Mauern des Hauses.

Die beiden Zitate sollen ein wenig Appetit machen auf ein großartiges Buch, das mich ganz schön beschäftigte :-).

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