Marion Dönhoff: Ein widerständiges Leben – Alice Schwarzer

Das Buch ist eine Biografie von Marion Döhnhoff (Gräfin Döhnhoff), geschrieben von Alice Schwarzer.

Ich kenne Alice Schwarzer von früher (70,80er Jahre) als Feindbild vieler Leute, die 10-20 Jahre älter waren als ich. Ich fand ihre Ansichten und ihr Auftreten manchmal etwas weltfremd aber irgendwie ist/war sie ein Typ, also jemand, den ich ernst nahm/nehme.

Marion Döhnhoff kam in meinem Leben eher nicht vor. 1968 war ich noch ein Kind (Frau Dönhoff war damals schon 59 Jahre alt). Die Wochenzeitung Die Zeit ist mir erst aufgefallen nach der Ära Helmut Schmidt. Der Name Dönhoff geisterte allerdings oft durch die Medien und für mich war Sie so etwas wie eine alte weise und gute Frau. Hier ein paar über Frau Döhnhoff – Wikipedia: Marion Gräfin Dönhoff

Das Alice Schwarzer eine Biographie über sie schreibt, finde ich gut. Immerhin sind sie beide außergewöhnliche Frauen und beide haben eine recht spezielle Geschichte.
Die Geschichte von Marion Dönhoff umfasst zwei Weltkriege, die Arbeit im Widerstand gegen das Naziregime und eine atemberaubende Nachkriegskarriere. Sie gilt als eine der wichtigsten Journalistinnen der bundesdeutschen Nachkriegszeit.

Was gefällt mir gut am Buch?

Alice Schwarzer schreibt wie eine Reportage. Sie achtet auf die Umgebung von Frau Dönhoff und hört zu. Sie beschreibt auch ihre eigene Situation während der Gespräche für das Buch. Wie schon bei dem Buch Gestatten: Elite von Julia Freidrichs, gefällt mir dieser Schreibansatz gut. Schwarzer fügt viele Originalzitate von Marion Dönhoff in den Text ein und am Ende des Buches gibt es ausgewählte Artikel von ihr aus Der Zeit, die bei mir durchweg "Gänsehaut feeling" erzeugt haben.

Tolle Frau(en)!

Ein paar Zitate aus dem Buch

Ihr Leben lang wird sie [Marion Dönhoff] auch das für Autodidakten so typische Grundmuster beibehalten: diese ewige Unruhe, zu wenig zu wissen; diesen unstillbaren Hunger, dazuzulernen; diese unverformte Frische des Zugriffs, Im Denken, wie im Schreiben.

zu Ihrem Großvater:

Am bewegten 8. März 1848 hat er gerade den Vorsitz in der Paulskirche und beschließt – ohne Autorisierung aus Berlin – die Aufhebung der Pressezensur und Proklamation des Verfassungsrechts sowie ein Bundespressegesetz. Am Tag darauf drückt er den preußischen Adler samt Schwarz-Rot-Gold als nationales deutsches Symbol durch und fordert – ganz wie die Enkelin über hundert Jahre später -, "den Bundestag wenigstens temporär nach Berlin zu verlegen".

in einem Interview (1996) mit Alice Schwarzer

Alles ist konzentriert auf Wirtschaft, aufs Produzieren, Exportieren, Konsumieren. Alles andere ist an die Peripherie gedrängt: alles Humane, die Kunst, Ethik. … Wenn es so weitergeht, wenn diese Rationalisierung, die totale Versachlichung noch weiter zunimmt, dann wird die Verrohung keine Grenzen mehr haben.

Es gibt auch Hoffnung. … Die Menschen sind eben unstet – auch in der Politik gibt es Moden, genau wie bei den Röcken, die mal kurz und mal lang sind. Eines Tages hängt den Menschen plötzlich das Bisherige zum Hals heraus, und dann sagen sie: So, davon haben wir jetzt genug! Jetzt wollen wir die Dichter ehren, schöne Musik hören und weniger arbeiten.

Dankrede zum Erasmus-Preis für DIE ZEIT, 21.9.1979

Die Deutschen vertrauen gern darauf, der Staat werde die Grundrechte des Bürgers schon verteidigen, aber auf die Idee, daß die Bürger unter Umständen die Grundrechte auch gegen den Statt verteidigen müssen, kommen sie gar nicht.

DIE ZEIT, 1.4.1994

… Seit der Aufklärung glauben viele Fortschrittsapostel, wenn der Mensch von allen lästigen Fesseln – kirchlichen, absolutistischen, konformistischen – befreit werde, würde die Gesellschaft ein Optimum an Freiheit genießen können. Aber so ist es nicht. Freiheit ohne Selbstbeschränkung zerstört sich selbst. Die Gesellschaft zerbröselt, wenn der einzelne ungehindert bestimmen kann, wieviel Freiheit er sich nehmen darf.

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