GSMA Mobile World Congress 2011

GSMA Mobile World Congress 2011Die Szene ist schon bemerkenswert. Dienstag, 15. Febr. 2011, GSMA Mobile World Congress, Barcelona, Halle 1, 11:00 Uhr. Schräg gegenüber von Microsoft ist der kleine Stand von HTC. HTC ist die Abkürzung für High Tech Computer. Eine Firma aus Taiwan (5500 Mitarbeiter, 10 Mrd.US$ Umsatz, 1,5 Mrd.US$ Gewinn) die oft etwas als ‘Erster’ baut. HTC baut Smartphones seit der Gründung der Firma im Jahre 1998. Da war der Name Smartphone noch nicht erfunden. Im Jahr 2002 baut sie das erste Smartphone mit Microsoft Betriebssystem, dem eine enge Partnerschaft mit Microsoft folgt, dann den Palm Treo 650, den HP iPAQ und viele andere mehr. Im Jahr 2008 stellt man in Zusammenarbeit mit Google das erste Android Telefon her. Die Firma wird von einer Frau geleitet, Cher Wang. Sie gehört zu den reichsten Personen Taiwans.

Der Stand ist mit Absperrungen versehen und die Menschentraube wird immer grösser. Während drüben bei Microsoft eine Präsentation über Windows Phone 7 läuft, wird der HTC Stand geöffnet und die Menschen sind nicht mehr zu halten. Sie fotografieren Tablets und Smartphones, lassen sie sich von den Mitarbeitern vorführen, filmen die Demo, laden sie auf Ihr Blog und schreiben dazu einen Bericht.

Die Mitarbeiter auf den Ständen sind nicht immer Mitarbeiter des präsentierenden Unternehmens. Bei Samsung heissen sie beispielsweise mobilers. Jeder kann sich bewerben und mobiler werden. Die mobiler helfen Samsung zu verstehen wie Europa tickt und erklären die Produkte den europäischen Kunden. Samsung kommt aus Südkorea, hat 278.000 Mitarbeiter, 172 Mrd. US$ Umsatz, 13 Mrd. US$ Gewinn und stellt auf dem Congress das Galaxy Tab vor.

GSMA Mobile World Congress 2011

Norbert Möhring ist so ein mobiler und zeigt mir ausführlich Android 3 auf dem neuen Galaxy tab. Er ist Java Entwickler und schlägt mir vor doch mal zur droidcon, die am 23.und 24.3 in Berlin stattfindet, zu kommen. Android ist jetzt definitiv in der Masse angekommen. An allen Messeständen, die Android Produkte anbieten, steht der kleine grüne Android und bietet Bonbons und Sticker an.

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LG, Slogan ‘Life is good’, ein Mischkonzern aus Südkorea mit 177.000 Mitarbeitern und 100 Mrd. US$ Umsatz zeigt unter anderem ein 3D Telefon, mit dem ich nicht wirklich etwas anfangen kann. Vielleicht liegt es an meinen Augen. Die 3D Effekte sind ohne Zusatzbrille erkennbar, aber meine Augen müssen sich sehr anstrengen um auf dem kleinen Bildschirm navigieren zu können. Aber sie bauen irgendwie alles in 3D … Fernseher, Beamer, Monitore, mit Brille, ohne Brille

GSMA Mobile World Congress 2011

Nachdem ich verstanden habe, dass alle Telefone so aussehen wie das iPhone und alle Tablets so wie das iPad, kam bei mir langsam der Realitätsabgleich. Auf dem Messegelände waren zu dieser Zeit 300 User bei Foursquare eingecheckt. Hört sich erstmal viel an, zeigt aber auch, wieviel Potential nach oben da noch möglich ist!

Dieses Social Media Potential wird Microsoft vermutlich mit seinem Windows Phone 7 abgreifen.

Window Phone 7 ist für mich schwer beschreibbar. Zunächst mal sieht es super aus, tolles Design, tolle Features, alles klasse. Eins der cleveren Kernkonzepte scheint mir, dass der Benutzer nicht mehr wissen muss, wo seine Daten sind. Facebook, Twitter, Microsoft Office, Fotos, Videos, Sharepoint, Bing – Alles ist integriert und scheint auch zu funktionieren. Privat- und Berufsleben auf einem Gerät! Die Facebook Wall und die Tweets tauchen in den Kontakten integriert auf. Der Benutzer (also ich in dem Fall) merkt nicht mehr wirklich, welchen Dienst er eigentlich nutzt. Das ist bei Microsoft Software oft so.
Bei Apple warb 1997 mit dem Slogan – think different.
Der Slogan auf dem Microsoft Messestand im Jahre 2011 ist: simply different.
Und jetzt hole ich mal die ganz grosse Keule.
Vielleicht kennen ‘die jungen Leute’ dieses Video ja gar nicht.
So kann man das auch machen!

“Here’s to the crazy ones. The misfits. The rebels. The troublemakers. The round pegs in the square holes. The ones who see things differently. They’re not fond of rules, and they have no respect for the status quo. You can quote them, disagree with them, glorify and vilify them. About the only thing you can’t do is ignore them because they change things. They push the human race forward. And while some may see them as crazy, we see genius. Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.”

Auf Microsofts Messestand kleben die Logos der Firmen die Windows Phone 7 nutzen. Dell, HTC, Samsung, LG und … Nokia!

Zitat Steve Ballmer

There are other mobile ecosystems. We will disrupt them.

Er baut gerade sein ‘global mobile ecosystem’ und kommt mir ein wenig vor wie Darth Vader in diesem Video.

… der Unterschied ist nur, das mir mehr Kohle haben als des kloine Handwerkerle …

Nokia war für Microsoft im Mobilfunkmarkt die Rettung. Nokia wird Windows Phone 7 den Durchbruch bringen und danach einer von vielen Herstellern sein. Ich glaube nicht, dass sie jemals auch nur ansatzweise an alte Erfolge anknüpfen können. Nokia ist bekannt dafür extrem günstig aber trotzdem auf hohem Qualitätsniveau produzieren zu können. Und das ist genau das, was Microsoft gefehlt hat!

Auf dem Stand von ZTE, einer chinesischen Firma, sehe ich, dass da erheblich mehr hinter der Mobilfunkindustrie steckt als Telefone und Betriebssysteme und so begebe ich mich mal zu denen, die alles liefern, was man nicht so sieht.

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– dann eben nicht – 🙂

Es nicht ganz einfach zu verstehen, wer mit wem und vor allem warum. Also probiere ich es mal mit Nachfragen und lande bei vielen sehr kleinen und einer indischen, etwas grösseren Firma, Slogan “Are you ready for the next billion mobile and broadband users”. Sie bieten solarbetriebene Antennen für ländliche Gegenden an.

GSMA Mobile World Congress 2011

Antennen, Kabel, Router, Verteiler, Optimierungssoftware, Nano Oberflächenbeschichtungen, Notstromaggregate von Caterpillar – unglaublich was man alles benötigt. Die Mitarbeiter an den vielen, vielen kleinen Ständen haben oft kein Smartphone und wenn, kein Roaming, so dass es mehr oder weniger unbenutzbar ist. Aber sie sind unglaublich motiviert und hoffnungsvoll über die Zukunftssaussichten.

Die grossen Telcos haben eigene grosse Hallen, und hoffen, dass die guten alten Zeiten noch lange anhalten. Cisco verkündet, dass sie für 100 der 100 grössten Telcos Ausrüstung liefern.

GSMA Mobile World Congress 2011

Ok, was bleibt für mich persönlich als Fazit übrig:

  • Es werden drei ‘Ökosysteme’ übrigbleiben, Google Android, Apple iOS, Microsoft Phone 7 – Der Rest sind Nischen
  • Der App Hype wird vorbei sein oder sich zumindest deutlich abkühlen, wenn alle Anbieter einen eigenen App Store haben und HTML5 überall läuft, weil man damit einen Grossteil der Apps im Browser abbilden kann und nur einmal entwickeln muss
  • Es gibt noch so viele Menschen auf der Welt, die kein Smartphone haben 🙂
  • Die Telcos versuchen mit allen Mitteln etwas anderes zu sein als ‘Datentransporteure’ und machen sich in meinen Augen immer unglaubwürdiger
  • Social Media wird als Feature wahrgenommen, das man irgendwie in seine eigenen Produkte einbauen muss

Zu meinem allgemeinen Eindruck passt ganz gut ein Zitat von Eric Schmidt aus einem Spiegel Online Artikel vom 18.8.2010, dass die Sitation auf den Punkt bringt

Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft versteht, was passiert, wenn alles verfügbar ist, man alles wissen kann und ständig alles von jedem gespeichert wird. Wir müssen über diese Dinge als Gesellschaft nachdenken. Denn ich rede noch nicht einmal über die ganz schlimmen Dinge wie Terrorismus … Ich glaube, dass die meisten Menschen gar nicht wollen, dass Google ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als nächstes tun sollen.

GSMA Mobile World Congress 2011

App Store Wirtschaft

Am Montag schrieb ich einen Artikel über das Thema App Store (in verschiedenen CMSen). Davor hatte ich mich eigentlich nur als Apple Kunde mit diesem Thema auseinandergesetzt. Als Kunde gefällt mir der App Store, weil es eine wirklich einfache Möglichkeit ist, Programme auf dem iPhone zu installieren. Im Sommer kam ich auf die Idee eine Fahrradtour aufzuzeichnen und habe es tatsächlich vor dem Fahrrad stehend in ein paar Minuten geschafft, die App EveryTrail zu finden, zu installieren, zu benutzen und ein Ergebnis zu produzieren. Ähnlich ging es mir mit Live Streaming via Ustream. Das ist schon cool. Ich habe bisher keine App gekauft.

Ich lese mittlerweile recht gern auf dem Telefon (Wie sich das anhört 🙂 ). Im Bett, weil es keine Blättergeräusche macht und keine Nachttischlampe braucht, am Strand, weil dort oft 3G Netz ist und das Lesen auf dem Bildschirm in der Sonne schon hinhaut, wenn man die Hand davor hält. Ich lese auch in Wartesituationen. In iBooks kann man gut jedes PDF laden.

Ich mag Gowalla. Ich spiele es nicht, ich mag es. Ich freue mich an Orten zu sein, diese anzulegen, zu gucken, wer schon da war oder gerade da ist und ein Photo hochzuladen. Das erscheint dann auch auf meinem Twitter Account. Die Twittermeldungen werden automatisiert nach Facebook übertragen. Warum? Hm – weil’s möglich ist!

Das Thema Podcast ging an mir völlig vorbei, bis ich das iPhone hatte. Irgendwann entdeckte ich Tim Pritlove mit seinem Podcast Imperium. Mittlerweile bin ich Hörer von Not save for work, mobile macs.  In Laufe diverser Folgen habe ich auch die Elementarfragen entdeckt und ein paar andere Podcasts. Das ist perfekt für längere Autofahrten.

Ich benutze das Telefon als meine Fernbedienung für die Stereoanlage. Die Musik liegt auf einem MacMini und wird durch ein paar Airport Express verteilt. Das Schöne daran ist, dass ich in der Küche und/oder im Wohnzimmer und/oder im Büro Musik hören kann, die auf dem MacMini, auf dem Telefon oder auf dem lokalen Rechner liegt. Irgendwie ist das auch alles nicht teurer, verglichen damit, was in den achtziger Jahren Stereoanlagen gekostet haben.

Im Grossen und Ganzen funktioniert das Zusammenspiel gut und vor allen verlässlich. D.h. ich spare Zeit, weil ich nicht dauernd irgendwas konfigurieren muss und es macht Spass, die Geräte zu benutzen. Ich habe bisher nichts vergleichbares gefunden.

Aber jetzt mal zurück zum Thema.

Die Ära der App Store Wirtschaft

Bei dem oben verlinkten App Store Artikel geht es u.a. darum, ob es nun gut oder schlecht für ein Open Source CMS ist, einen App Store zu haben und ob mit dem Modell App Store, Programmierer vielleicht besser bezahlt werden könnten. Mir ging das Thema nicht aus dem Kopf, daher die lange Einführung über meine Nutzung von Apple Geräten.

Ausser der Fernbedienung für die Musik benutze ich nichts auf dem Telefon, was richtig viel Zugriff auf iOS benötigt, dropbox vielleicht noch. Webseiten lassen sich problemlos im Browser anzeigen und diese Webseiten werden immer cleverer. Mittlerweile kann man per JavaScript eine ganze Menge anstellen, beispielsweise Geodaten auslesen. Das macht eine Gowalla und Foursquare App überflüssig. Viele Websites benutzen JavaScript Frameworks. Ich habe neulich mal eine Website mit Joomla! und Gantry gemacht und war schon beeindruckt. Eine mobile Version deiner Website direkt aus der Tüte 🙂 Mit HTML5 wird alles ‘noch viel einfacher’. Naja, vielleicht nicht einfacher, aber überhaupt erst möglich! Alle Apps, die ich benutze, könnten auch im Browser laufen. Und Programmierer müssten nicht für jedes Telefonmodell entwickeln und sparen dadurch Zeit.

Wozu also Apps?

Auf wundersame Weise scheint Apple unglaublich viel Geld mit den Apps zu verdienen.

  • 133.000 Apps sind im Store
  • 28.000 Entwickler erstellen diese
  • 58.000.000 App Store User gibt es
  • Durchschnittspreis pro App ist 2,70 US$
  • 250.000.000 US$ Erlöse pro Monat gesamt
  • 175.000.000 US$ an Entwickler (6.250 US$ pro Nase/Monat) Tausende von Programmierern coden wie die Kaputten in der Hoffnung Geld zu verdienen. Ich vermute mal, dass ein Grossteil der 175.000.000 US$ von einigen, wenigen Firmen erlöst wird (weiss jemand etwas über die Verteilung? – Bitte Kommentar schreiben)
  • 75.000.000 US$ gehen an Apple – jeden Monat

Quelle

Im 4. Quartal 2010 hat Apple 6.000.000.000 US$ verdient. Der Appstore hat daran einen Anteil von 225.000.000 US$ oder 3,75 % (Peanuts)! Den App Store existiert nur um einen Bedarf für neue Geräte zu generieren. Ob Apps Geld kosten oder nicht spielt keine Rolle.

Alle, irgendwie wirklich alle, also Sony, Nokia, Microsoft und selbst Open Source Projekte wie Drupal und WordPress denken seltsamerweise ebenfalls über App Stores nach und haben teilweise bereits welche! Die haben aber meist nicht so gute Geräte wie Apple oder teilweise gar keine Geräte (Drupal, WordPress). Warum dann einen Store? Apple setzte vor ein paar Wochen noch einen drauf und baute einen Mac App Store (Slogan: Tolle Mac Apps). Der funktioniert noch nicht so recht weil das Installieren und Deinstallieren auf dem Mac nicht so gut durchdacht ist. Die Preise der Apps haben sie allerdings gesenkt, um mehr als 50%, im Vergleich zu vorher, ohne App Store. Also werden Menschen diesen Store benutzen.

Das Geld verdienen im App Store findet momentan irgendwie ohne mich statt. Ich habe einfach noch nichts gefunden, was sich zu kaufen lohnt (ausser Filme in iTunes). Jetzt gibt es zwei Varianten.

  • Ich fange irgendwann an auch Apps zu kaufen
  • Ich bleibe bei meinem Verhalten, nutze kostenlose Apps und erneuere den Apple Gerätepark hin- und wieder, solange die Qualität so bleibt

Ich tendiere aber zu Lösung zwei. Der Browser kann bereits heute was ich brauche. Ich zahle für Flickr und Vimeo, bzw. für Cloud Dienstleistungen. Ich habe sogar noch ein Heise Abo und gucke heise.de mit AdBlocker. Eigentlich hätte ich lieber die CT und die IX online, ohne viel Werbung und ohne das viele Papier. All den Firmen, denen ich heute Geld gebe, kann die Plattform egal sein, weil sie, bis auf Heise, komplett browserbasiert sind. Im dem Mac App Store würde ich schon eher zahlen, weil es da um Software geht, die recht komplex ist (Photoshop, Camtasia).

Die App Stores sind reines Marketing

Apple verdient 96,25% mit anderen Dingen. Der App Store bietet Brücken zwischen den Geräten an! Externe Programmierer werden benötigt, und mit Erlösen ermutigt, damit überhaupt Apps im Store sind. Apple schafft es mit diesen Prinzip den Store interessant zu machen (Die kostenlosen Apps erstellen die Programmierer ja auch), verdient dabei auch noch Geld und muss keine Programmierer beschäftigen – Wow!

Wem nutzen App Stores?

  • Dem Anbieter des Stores, beispielsweise
    • Firmen, die benutzerfreundliche Produkte haben, die vielleicht sogar miteinander kombinierbar sind (beispielsweise in den Bereichen Haushaltsgeräte oder Autos).
  • Den unabhängigen Programmierern und Firmen, die die Apps programmieren und evtl. Geld damit verdienen können
  • Den Kunden, weil es bequem ist