arm am strand

Als ich in den letzten Jahren der “Kunst” als Betrachter begegnet bin, ist mir aufgefallen, dass sie mir gut tut. Für 2015 habe ich beschlossen, das Thema Kunst etwas intensiver zu erforschen und herauszubekommen, ob da in dieser Kunstwelt ein Platz für mich ist.  Ich habe dazu ein paar Fragen an Menschen, die Kunstwerke “machen”.

Werte Künstlerin, werter Künstler

  • Was verstehst du unter Kunst?
  • Worum geht es bei deiner Kunst?
  • Wie entstehen deine Kunstwerke?
  • Hast du ein Atelier?
  • Wie bist du eigentlich Künstler geworden?
  • Wie verbringst du einen “normalen” Tag?
  • Wie finanzierst du dein “Künstlerleben”?
  • Wo kann ich deine Kunst sehen und vielleicht sogar kaufen?

Wenn du dich angesprochen fühlst, antworte bitte auf die Fragen in dem Medium, das dir am besten gefällt. Hier im Blog mit einem Kommentar oder in deinem Blog oder per Tweet an @hagengraf oder per Post (Hagen Graf, 36 Rue du Pla, 11510 Fitou, France) oder per Kunstwerk :).
Ich verlinke und veröffentliche alles was kommt und bedanke mich schon im Voraus dafür, dass Du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Wenn dir die Sache gefällt, gebe den Link bitte weiter.

Vielleicht entwickelt sich daraus eine Debatte, ein wie auch immer geartetes Netz, ein Kunstprojekt, ein Erkenntnisgewinn oder ein fetter “KunstDeal” für dich, mich und die Leser :).

12 Replies to “arm am strand”

  1. Ich glaube, dass es Menschen gibt, die eine Künstlerseele beherbergen und welche, die nicht. Das ist ähnlich, wie wenn jemand eine Affinität für Holz hat, der andere für Zahlen, die dritte für Zusammenhänge. Irgendwann im Leben wurden bestimmte Areale im Hirn wohl diesbezüglich vermehrt stimuliert, meinte neulich mal eine Freundin. Maybe.
    Menschen mit KünstlerInnenseelen nehmen, meiner These zufolge, die Umwelt aus einer Perspektive wahr, die irgendwie umfassend wahrnimmt, wie das Erlebnis, das Gedachte, des Geschehene verwurstet und ausgedrückt werden kann. Input-Output. Essen-Verdauen.
    Wer dieses Bedürfnis hat und ihm nachgibt, ist – ungeachtet davon, wie angesehen er ist und wie genial oder bescheiden seine Werke sind – in meinen Augen ein Mensch mit einer Künstlerseele.
    Guck dazu auch meinen Text hier.
    Ich hoffe, du bekommst viele Impulse.
    Jürgen und ich haben das Thema noch oft weitergesponnen, das wir mit euch angedacht und gekaut haben. Ich bin im Grunde fast sicher, dass du eine Künstlerseele in dir hast. 🙂

    Übrigens: schönes Relaunch deines Blogs!

    1. Ja. Unabhängig von Erfolg oder nicht.
      Wegen der Art und Weise, wie ich denke. Und wie ich die Welt sehe.
      Und nun lese ich mir mal, was Jürgen geschrieben hat … 🙂

  2. Lieber Hagen, wie Denise schon sagte, hat uns das Gespräch letzte Woche sehr inspiriert und zum Nachdenken gebracht. Wir haben sogar eine Mindmap dazu angelegt.

    Was verstehst du unter Kunst?
    Ich habe drei Kunstverständnisse: Erstens ist es eine Lebensart und man geht voll darin auf, egal wie bekannt man ist und ob man auf dem Kunstmarkt wahrgenommen wird. Für mich ist das so. Ich habe etwa zehn Jahre gebraucht, um mich ruhigen Gewissens als Künstler zu bezeichnen und ich bezeichne mich jetzt so, weil mir keine andere Bezeichnung einfällt.
    Womit wir zu Zweitens kommen: Die wirtschaftliche Seite der Kunst, das Ansehen der Künstler, Ihr Lebenslauf, der sie so wertvoll macht und auch den Marktwert ihrer Kunst mitbestimmt (bei welchem Prof. auf welcher Uni hat der Künstler studiert, wo wurde er ausgestellt, welche Stipendien und Kunstpreise und Publikationen hat er erhalten, in welchen Sammlungen sind seine Werke vertreten). Vincent van Gogh wäre nach diesen Kriterien kein Künstler gewesen und die Bilder, die er gemalt hat, wären auch keinen Kunst gewesen.
    Drittens: Kunst ist, was als Kunst rezipiert wird. Hier kommen wir zum des Kaisers neue Kleider Prinzip und zu den Fallstricken des Menschseins: dass wir uns gerne gegenseitig etwas vormachen und wenn genügend viele sich im einander etwas Vormachen einig sind, wird das, was man sich vormacht wahr und hat einen messbaren Wert. Wir hatten ja Duchamp angesprochen. Seine Fontaine,

    Worum geht es bei deiner Kunst?
    In meiner Kunst mischt sich Geschriebenes mit Fotografie. Mein Blog ist das Kunstwerk oder die Literatur oder eben einfach nur ein Blog, in dem sich das alles mischt. Ich bin Konzeptkünstler, setze komplexe Gedankenkonstrukte um und visualisiere sie in Fotocollagen und Texten. Der Stoff oder das Leitmotiv meiner Kunst ist die Straße. Seit 1995 mache ich auf langen Fahrradreisen alle zehn Kilometer ein Straßenfoto – immer mit Normalbrennweite in Richtung Reiseziel. Das ist die sture Struktur für Ausstellungen, in denen die Straßenfotos dann mit den schönen Motiven, die einem unterwegs so ins Netz gehen angereichter werden. Seit 2010 verlagert sich meine Kunstaktivität zunehmend ins Netz. Ich blogge live, z.B. auf dem Jakobsweg oder 2012 auf der North Sea Cycle Route. Am liebsten würde ich mich selbst als Appspressionist sehen, weil das so lustig nach Expressionismus klingt.

    Wie entstehen deine Kunstwerke?
    Unterwegs, spontan, aus der Hüfte geschossen seit 2010 fast ausschließlich mit dem Smartphone. Manchmal setze ich ähnliche Bilder zu Bildcollagen zusammen. So lassen sich per Smartphone riesige Abzüge in hoher Qualität erzeugen.

    Hast du ein Atelier?
    Ja, in einem umgebauten Rinderstall – aber ich arbeite vorwiegend am PC oder auf dem Smartphone und das Atelier ist unterwegs. Mein Ziel ist es, das Blog als Kunstwerk zu etablieren und die live gebloggten Reiseinhalte sind die Kunst. Jeder darf mitkommen und beim Entstehen neuer Kunststraßen und Livereisen über die Schulter schauen.

    Wie bist du eigentlich Künstler geworden?
    1988 musste ich wegen Zivildiensts ein Bauingenieursstudium nach dem zweiten Semester unterbrechen – zwanzig Monate später konnte ich da nicht wieder Fuß fassen. Nach zwölfjährigem Training hatte ich mir ein normales Leben abgewöhnt mitsamt den Existenzängsten, dem sinnlosen Wollen und der Illusion, Geld böte auch nur irgendeine Sicherheit oder bringe gar Glück.

    Wie verbringst du einen “normalen” Tag?
    Unterwegs: radelnd oder zu Fuß dem Reiseziel entgegenstreben – Blogartikel wachsen prächtig im Hirn, wenn man so vor sich hin läuft oder radelt. Mit der Kamera all die tollen Motive vom Wegesrand mitnehmen. Abends Zelt aufbauen, kochen, Blogartikel schreiben und Bilder bearbeiten. Der Rest ist Zufall.
    Daheim: wenn Webseitenaufträge da sind am PC sitzen und die erledigen. Bilder bearbeiten, Kunstprojekte formulieren, im Web Kooperationen recherchieren, auch eine kreative Arbeit. Das ganze gut durchmischt mit Gartenarbeit und ein bisschen Holzfällerei. Seit 2014 bin ich auf dem Weg zur Selbstversorgung.

    Wie finanzierst du dein “Künstlerleben”?
    Ein Scherz: Jeder, der mir diese Frage stellt, muss mir fünf Euro geben. Davon kann ich prima leben 🙂
    Im Ernst: Massiver Konsumverzicht, ab und zu eine Webseite oder ein bisschen Grafikdesign. Kunstverkauf, T-Shirts, E-Books. Selbstversorgung im eigenen Garten.

    Wo kann ich deine Kunst sehen und vielleicht sogar kaufen?
    Das Blog als Schaltzentrale: http://irgendlink.de – meist Text aber wenn man genau hinschaut, sieht man die Projektestruktur mit den journalistisch-literarisch-künstlerischen Rohstoffen.
    Bilder: http://appspressionismus.de und http://idogma.com und http://iphoneart.com/irgendlink
    T-Shirts: http://spreadshirt.de/idogma
    E-Books: http://www.neobooks.com/werk/23795-schon-wieder-ein-jakobsweg.html
    Print: http://www.epubli.de/shop/buch/33380

  3. Ein schönes Projekt, für das auch ich Dir eine weitreichende Beteiligung wünsche. Ich mache mir selbst seit Jahren Gedanken, was Kunst ist. Vor fast zwei Jahren habe ich geschrieben: Kunst ist ein einziger Gegensatz.

    Der Satz gegen alles, der Satz in den man sich zurückziehen kann, ohne zu resignieren.
    Das ist keine wirkliche Definition von Kunst, aber ich glaube, das liegt im Wesen der Kunst, dass sie sich nicht eindeutig definieren lässt. Kunst ist immer der Versuch an Grenzen zu gehen, an Grenzen des Sagbaren, Ausdrückbaren, an die Grenze, die zwischen Gefühlen, Gedanken und ihrem Ausdruck besteht, diese Grenze immer wieder ein Stück weit zu übertreten, zu testen, wie weit sie sich verschieben lässt, das ist für mein Verständnis das Wesen der Kunst.
    Keine Ahnung, ob ich mich als Künstlerin bezeichnen würde. Ist das wichtig? Ich würde mich eher eine Suchende nennen, das klingt pathetisch und fühlt sich manchmal sogar so an ;-). Ich mag das nicht, mich selbst in eine Schublade zu stecken, auch wenn die Schublade “Künstler” natürlich sehr schön und groß ist. Sollen andere Etiketten für mich finden, wenn sie sie brauchen.
    Vor diesem Hintergrund ist es nicht ganz einfach, die weiteren Fragen zu beantworten, denn die setzen ja eigentlich voraus, dass man sich als Künstler sieht. Würdest Du den Versuch zu schreiben, Worte zu finden, als Kunst bezeichnen?
    Du fragst, wie bist Du Künstler geworden? Wird man Künstler? Ist das so etwas, wie das Ende einer Ausbildung? Ist es nicht vielmehr eine Berufung, die weder Anfang noch Ende hat, eine kreisrunde Suche aus Zweifel und dem Finden einer Form?
    So viel von mir. Ich bin sehr gespannt, was hier noch zu lesen sein wird.
    herzlich die Mützenfalterin

    1. Hallo Mützenfalterin (schöner Name)
      Danke für die Antwort.
      Ich meine mit Künstlern Menschen, die sich selbst als Künstler sehen. Ich habe so “konkret” gefragt, weil vieles im Bereich der Kunst für mich noch in “Nebel” liegt.
      Und gespannt bin ich auch!
      herzlich der Nebellichter 😉

  4. hallo Hagen, ich habe gestern eine Weile an der Beantwortung deiner Fragen gesessen, die du ab morgen auf meinem Blog lesen und gerne auch hier verlinken kannst http://cafeweltenall.wordpress.com

    mir hat es Spass gemacht mich erneut diesen Fragen zu stellen, am Ende fühlte es sich wie eine vertiefte Positionierung an, sodass ich dir für diese Anregung danke-
    vielleicht fühlen sich ja noch mehr dazu inspiriert und schreiben etwas, das ist der Grund, warum ich es auf meinen Blog veröffentliche, bin gespannt-

    herzliche Grüsse Ulli

  5. Hallo Hagen, vor einigen Tagen oder schon Wochen bin ich auf Deine Fragen gestoßen, angeregt durch Ulli… Und da ich gerade beim Thema war, habe ich sie aufgegriffen und mir meine Gedanken gemacht und versucht, sie in meinem Blog niederzuschreiben. Danke für diese wunderbare Anregung. Ist es doch immer mal wieder gut, innezuhalten, zu reflektieren, zu schauen, wo man steht… Viele Grüße, Doreen

  6. Hallo Hagen
    Auch nehme deine Fragen in Angriff und beantworte sie.

    Was verstehst du unter Kunst?

    Kunst ist ein Ort, des persönlichen Ausdruckes. Kunst ist das, was mich anspricht, was mich zum Innehalten führt, oder auch nur erfreut.

    Worum geht es bei deiner Kunst?

    Ein Moment, ein Objekt, es spricht mich an. Ich nehme den Kontakt auf, reduziere es auf das Wesentlich für mich und lasse den Fluss, den das Objekt auslöst, laufen. D.h. dann beginnt bei mir die Kunst. In Form von Zeichnung, Installation oder digitaler Verfremdung. Die Umwandlung von Bestehendem in Neues.

    Wie entstehen deine Kunstwerke?

    Jetzt, nachher, irgendwann. Die Inspiration ist die ständige Begleiterin auf meinem Weg. Vielleicht nehme ich eine Idee auf, notiere sie, fotografiere sie, filme sie, lasse sie ruhen. Irgendwann will die Idee weiterentwickelt werden. Genau dann ist der Zeitpunkt gekommen, um mit der ausführenden Arbeit zu beginnen. Häufig habe ich mehrere Arbeiten parallel in der Entstehung.

    Hast du ein Atelier?

    Ja ich habe mir ein Atelier eingerichtet. Wobei ich häufig auch mobil arbeite, sei es in der S-Bahn, sei es in der Natur, sei es auf der Parkbank mitten in der Stadt. Das Smartphone wie auch der Laptop macht es möglich. Das Finish findet häufig im Atelier statt.

    Wie bist du eigentlich Künstler geworden?

    Die Inspiration kam eines Tages bei mir auf Besuch und forderte mich auf, sie zu beachten und verlangte ein Werk. Ich nahm die Aufgabe an und es gefiel mir. So entwickelte sich mein künstlerisches Dasein.

    Wie verbringst du einen „normalen“ Tag?

    Ein normaler Tag ist die Ganzheit aller Tätigkeiten. Wie dem Broterwerb nachgehen, den sozialen Beziehungen nachgehen, dem Atelier einen Input geben, dem Kochen nachgehen, den alltäglichen Bedürfnissen nachgehen, dem Sport nachgehen etc..Meine ständige Begleiterin ist die Inspiration, sie sieht dauernd irgendetwas. Es gibt Zeiten, da bleibt viel Zeit für mein künstlerisches Tun und es gibt Zeiten, da bleibt kaum noch Raum für einen Gedanken ans Atelier.

    Wie finanzierst du dein „Künstlerleben“?

    Wie so Viele, von meinem Broterwerb.

    Wo kann ich deine Kunst sehen und vielleicht sogar kaufen?

    Besuche meine website pfhart.ch

    twitter @Pfhpf

    Instagram pfh_19

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