Die wollen keine Autos verkaufen!

Unser Smart muss einmal im Jahr zur Inspektion. Das kostet bei Mercedes so ab 240 Euro aufwärts. Er ist Baujahr 2002 und hat mittlerweile 140.000 km auf dem Tacho. Wir haben überlegt, ob wir ihn verkaufen und uns einen “neueren” kaufen. Im September letzten Jahres war Termin für die contrôle technique (sowas wie TÜV in Frankreich). Der Prüfer war völlig hin und weg vom Zustand des Autos und riet uns, den ja nicht zu verkaufen, so ein gutes Auto bekommen wir nicht wieder. Es ist ein Typ 450 Cabrio mit Dieselmotor, Verbrauch etwas über 3 Liter.

Da ich Angst hatte, das grössere Reparaturen auf uns zukommen, habe ich überlegt, dass ich die Wartung auch vielleicht selbst machen könnte und habe mir entsprechende Lektüre gekauft.

Wie so oft kommen dann tausend Sachen dazwischen und wir beschlossen, ihn noch einmal zur Inspektion zu fahren und dann mal sehen, ob wir ihn verkaufen oder behalten.

Gestern war nur der Inspektionstermin. Normalerweise gebe ich das Auto morgens ab und hole es abends wieder ab. Gestern aber musste ich warten, weil mich keiner bringen konnte. Ich war also morgens um 8:30 bei Mercedes in Narbonne und ein Angestellter füllte das Auftragsformular für die Inspektion/Revision aus (Papier, mehrfache Ausfertigung, Probleme mit Drucker, …).
Es gibt offenbar drei Servicepakete, die man buchen kann und ich sollte mich entscheiden, welches ich will. Ich habe den Inhalt der drei Pakete nicht wirklich verstanden (lag nicht an Sprachkenntnissen). Ich fragte, was denn sinnvoll wäre, bei einem so alten Auto und ob es denn möglich wäre, dass die Werkstatt mal nachsehen kann, was so an grösseren Reparaturen auf uns zukommen würde. Ausser den drei Paketen war allerdings nichts möglich und ich entschied mich salomonisch für das mittlere Paket.

Ich wartete zweieinhalb Stunden auf unser Auto. Sie hatten eine gemütliche Sitzecke und ich konnte mal in Ruhe mein Handy aufräumen, News lesen, etc. Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich in einem Autohaus so lange auf etwas wartete. Um mich herum standen Mercedes Neuwagen und in ihren Glascontainern sassen 3 VerkäuferInnen und tippten etwas an Ihren Computern. Jemand bot mir einen Kaffee an, jemand anders ein frisches Croissant, ein dritter kam mit der aktuellen Tageszeitung. Eine Steckdose gab es nicht. Mein Handyakku war so um 10:30 leer und ich spazierte dann durch das Autohaus, guckte mal bei den Neuwagen, beim neuen Smart und bei den Gebrauchtwagen.

Als das Auto fertig war, sah ich noch ein Feedback Formular, in dem man die Freundlichkeit des Personals mit Sternchen bewerten konnte. Alle waren freundlich! Ich bezahlte 240 Euro. Während des Bezahlvorgang unterhielten sich die Mitarbeiter freundlich miteinander.

NIEMAND, wirklich keiner hat mich in dieser Zeit auf mein Auto, wie es mir gefällt, was besser sein könnte, einen eventuellen Neukauf, Inzahlungsnahme oder was auch immer angesprochen.

Es mag ja sein, dass ich da etwas altmodisch bin, aber … hey … die Firma lebt doch irgendwie davon Autos zu verkaufen und sie beschäftigen ja offenbar auch Mitarbeiter für diesen Zweck.

Einer gab mir einen Kaffee, einer ein Croissant und einer eine Tageszeitung!

Autos wollen sie scheinbar nicht verkaufen!

PS: Ich habe vor 20 Jahren Busse verkauft. Kunden wie mir hätte ich an diesem Morgen etwas verkauft und viel Spass dabei gehabt.
Der 404 Fehler im Screenshot oben erschien übrigens, als ich auf den Link im offiziellen Twitter Account klickte (@smart_worldwide).
@smart_worldwide

 

3 Replies to “Die wollen keine Autos verkaufen!”

  1. Mir geht es da gerade anders. Wenn mich niemand anspricht und mir dann auch noch so nett einen Kaffee, ein Croissant und die Zeitung reicht – da würde ich von mir aus wiederkommen, die hätten mein Vertrauen.

    1. hm … ich kenne das eher so und es macht mir auch Spass:

      1. Märkte sind Gespräche.
      2. Die Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Segmenten.
      3. Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden in einer menschlichen Stimme geführt.
      4. Ob es darum geht, Informationen oder Meinungen auszutauschen, Standpunkte zu vertreten, zu argumentieren oder Anekdoten zu verbreiten – die menschliche Stimme ist offen, natürlich und unprätentiös. Menschen erkennen sich am Klang dieser Stimme.
      http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html

      So grundsätzlich finde ich es ok, wenn man mich in Ruhe lässt. Ein Verkäufer muss meiner Meinung aber überreissen, in welchem Zustand ein Kunde ist und dann entsprechend reagieren. Ich kam mir vor wie auf einem Architekturmodell 🙂

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