Litauen und Lettland

Ich war eine Woche in Litauen und Lettland, bin gerade zurück und voller Eindrücke. Ich muss Fotos sortieren und alles mögliche nachschlagen, will aber schon mal ein paar Stichpunkte aufschreiben.

  • viele Störche
  • Menschen die russisch sprechen können und das auch tun
  • Ölpipelines, Öltransporte in Güterwagen, Kohletransporte in Güterwagen
  • unendlich viele Grüntöne, wunderschöne Landschaft, Flüsschen, Fischteiche und alte Holzhäuser
  • ein grosser Wasserfall
  • Mega Shopping Malls
  • Luxusimmobilien in Strandnähe
  • alte Schlösser
  • Nato Osterweiterung
  • Religion (Katholisch/Protestantisch)
  • IC Motorräder
  • Atemberaubende Detaillösungen für Heizungen und Abwassersysteme
  • Strände
  • süsse kleine Möwen o.ä.
  • Geschwindigkeiten
  • Wetter: hier in Fitou sind es gerade 32° C. In Lettland waren es um die gleiche Zeit etwa 16-17° C
  • Mietwagen – Toyota Yaris … tolles Auto

Also genug Stoff für weitere Blogeinträge!

Um schon mal etwas Appetit zu machen, hier ein Video zur Geschichte Lettlands aus dem Jahr 2008.

Pinseln, Graben und Updates

In dieser Woche habe ich gepinselt und gegraben.
Zunächst zum Pinseln.
Die beiden Giebelseiten unseres Hauses sind noch nicht gepinselt. Die eine muss komplett neu verputzt werden, bei der anderen Seite reicht es aus, den vorhandenen Putz auszubessern.
Was man als Farbe so im Baumarkt findet (zumindest hier) ist nicht von sonderlich guter Qualität. Meist benutzen die Leute Acrylfarben, da billiger. Diese trocknet relativ schnell, legt sich wie eine Haut auf den Untergrundund sieht auf den ersten Blick sehr hübsch aus. Meistens tauchen nach einer gewissen Zeit aber Blasen auf, sei es auf Grund aufsteigender Feuchtigkeit, unreinen Untergründen oder wegen der intensiven Sonneneinstrahlung. Diese Blasen platzen nach und nach auf und die Farbe blättert dann ab.

Nach ein wenig Suche habe ich gelernt, dass es Unterschiede zwischen Acrylfarben und Mineralfarben gibt. Mineralfarben sind offenporig und gehen eine feste Verbindung mit dem Stein ein und “halten” dadurch erheblich besser als Acrylfarben. Ausserdem sind die Pigmente ebenfalls mineralisch, so dass sie von der Sonne nicht ausbleichen.

Also haben wir Grundierung, Farbe und Rissspachtel in der “Mineralvariante” bei Brillux in Deutschland gekauft.

Am Montag ging es dann los.

Zuerst habe ich die kleinen Risse zugespachtelt. Das lässt sich nur gut mit den Fingerkuppen ohne Handschuhe machen und so hat mein Zeige- und Mittelfinger jetzt eine Art Hornhaut … 🙁

Als nächstes habe ich eine farblose Grundierung aufgetragen. Die sorgt dafür, dass sich die Deckfarbe gut mit dem Untergrund verbindet.

Danach dann die Farbe.

Klappte alles gut, aber der Putz an dieser Wand “saugte” mehr Farbe als der an den anderen Wänden. Unsere 25 Liter haben gerade so für einen ersten Anstrich gereicht.

Die erste Farbschicht ist dran ... nun ist die Farbe alle!

Die Firma Brillux verschickt leider keine Farbe ein Privatkunden und schon gar nicht nach Frankreich, also versuchte ich mit dem Brillux Twitter-User Kontakt aufzunehmen. Bis heute gab es allerdings keine Reaktion auf den Tweet.
Haaaaaalllllloooooo Brillux …

Wir haben per E-Mail Kontakt mit “unserem” Brillux Markt in Freiburg aufgenommen. Die Anwort kam prompt: kein Versand der Farbe!
Nächster Versuch war ein Aufruf unter meinen Followern.

Ergebnis: ICH SUCHE IMMER NOCH JEMANDEN, DER MIR EINEN EIMER FARBE MITBRINGEN KANN. Wenn ihr helfen wollt, retweetet den Tweet oder macht einen Spontanurlaub in Fitou.

Bisher hat sich leider niemand gemeldet 🙁

Ok, dann eben graben 🙂

Ebenfalls auf der todo Liste stand noch der Anschluss des “Gartenhauses” an die zentrale Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung. Nachdem ich schon eine 70cm Steinwand, eine Strasse, eine andere Steinmauer und den halben Garten untertunnelt hatte, fehlten noch etwa 4 Meter und ein letzter Wanddurchbruch. Der Haken dabei war, dass der Untergrund teilweise aus Stein bestand, den ich glücklicherweise relativ leicht mit einem Bohrhammer zerbröseln konnte.
Wenn die Steine zerspringen, riechen sie manchmal ganz kurz nach Schwefel.
So ähnlich funktioniert bestimmt Fracking …

Am Donnerstag war es dann geschafft!

Gestern und heute habe ich dann Drupal Updates, Server Updates, die E-Mails der Woche und den eigentlichen Job erledigt und nun noch schnell ein Blogeintrag … weil ich bin ja Ironblogger :).

Legosteine und eine alte Ziegelei

https://www.flickr.com/photos/billward/5819356938/ Bill Ward CC BY 2.0

Als kleines Kind habe ich die ersten drei Jahre in einem Mehrfamilienhaus gewohnt. Das Haus hatte einen Keller und drei Stockwerke. In jedem Stockwerk waren Wohnungen. Es gab, glaube ich, zwei Eingänge mit jeweils einem Treppenhaus. Über jeden Eingang waren sechs Wohnungen erreichbar, auf jedem Stockwerk immer zwei. Jedes Haus hatte einen Garten mit Wäscheständern. Geheizt und gekocht wurde mit Kohle.
Um unser Haus herum standen viele solcher Häuser. Später bin ich auf dem Weg zur Schule täglich durch das Viertel gegangen und/oder mit dem Fahrrad gefahren.
So sah das von oben aus.

wohnung

Die Wohnungen waren relativ klein und der grosse Traum der Mieter war ein eigenes Haus, mehr Platz, ein elektrischer Herd, eine andere Heizung als Kohle und natürlich ein Auto. Meine Eltern bauten dann Ende der sechziger ein Haus. Nach und kauften sie elektrische “Nachtspeicheröfen”, einen elektrischen Herd und natürlich ein Auto.

Als Einzelkind hatte ich in dem neuen Haus ein eigenes Zimmer mit einer elektrischen Heizung. Neben der Tür war ein Thermostat an der Wand und ich konnte das auf 20 oder 22 Grad stellen und dann war es warm.
Ich verbrachte viel Zeit in meinem Zimmer 🙂

Eingeschult wurde ich in eine damals neu gebaute Schule mit grossen Fenstern, grossen Gängen, grossen Treppenhäusern, grossem Schulhof und einer grossen Aula. Es gab auf dem Schulgelände auch ältere Gebäude wie die Turnhalle und der alte Teil der Schule, der aus Backstein gebaut war. Dieser alte Teil grenzte an Kirche und Pfarrhaus, gelegen  an einem kleinen Bach, und war umgeben von riesengrossen, Schatten spendenden Bäumen.

Die alten Gebäude faszinierten mich schon damals. Sie waren irgendwie schöner, als die neuen. Der Beton der neuen Schule sah nach kurzer Zeit schmutzig aus, die anfangs frischen und kräftigen Farben verblassten schnell.
Die Ziegelsteine der alten Schule waren zwar teilweise schon zerbröselt, hatten aber eine wunderschöne Farbe in der Sonne. Die Treppenstufen der alten Schule waren aus Holz, knarrten bei jedem Schritt und hatten einen Geruch.

Da es in meinem Dorf durch die geburtenstarken Jahrgänge und den Zuzug durch Gastarbeiter immer mehr Kinder gab, wurden schnell Erweiterungsgebäude und auch eine neue Turnhalle gebaut. Die Turnhalle war eine sogenannte Mehrzweckhalle. Man konnte zusätzliche Wände per Knopfdruck einschieben, Turngeräte waren im Fussboden versenkbar angebracht und die Tribünen konnten auch irgendwie umgebaut werden. Um die Halle herum wurden mehrere Sportplätze, und später auch Tennisplätze gebaut.

Manche der Schüler in meiner Klasse wohnten in alten Fachwerkhäusern im alten Teil des Dorfes. Die Wände von Fachwerkhäusern bestehen aus miteinander verbundenen Holzbalken, die Zwischenräume sind mit Lehm oder Ziegelsteinen aufgefüllt. Manchmal wurde nicht die ganze Wand verputzt, sondern man konnte die Holzbalken sehen. Ich beneidete diese Schüler um ihre Kinderzimmer, weil man an den Balken total gut etwas befestigen konnte (Poster, Hängematte, etc). Die Häuser selbst waren meist in Gruppen um einen Platz (Marktplatz, Kirche, Schleuse) gebaut oder lagen an einem Bach. Die meisten waren in schlechtem Zustand, sahen aber trotzdem schön aus.

In der Nähe unseres neuen Hauses stand eine alte, verfallene Ziegelei mit kaputten Fenstern. Auf dem Gelände befanden sich allerlei Kräne und Maschinen, dahinter waren mehrere Teiche. Man konnte auf selbstgebauten Flössen fahren, Stichlinge angeln, auf den Kran klettern und, weil es etwas bergig war, im Winter gut Schlitten fahren. Heute ist auf dem Gelände eine neue Firma, auf Google sieht es aber noch etwa so aus wie vor 40 Jahren.

wald

Ich habe oft mit den Kindern aus der Nachbarschaft auf dem Gelände der alten Ziegelei gespielt. Es war ein schöner Platz, denn es gab immer etwas zu entdecken. Wenn  ich in meinem Zimmer war, habe ich meist mit Legosteinen gespielt und versucht Häuser und Fabrikskelette zu bauen. Zu dieser Zeit gab es nur einfache Legosteine zu kaufen, also achter und sechser und vierer und Abdeckplatten und Glassteine und Ziegel. In den Kartons lagen keine Bauanleitungen bei. Es machte mir sehr viel Spass mit Lego zu bauen. Es war perfekt berechenbar. Rechte Winkel, gerade Wände, 45° Grad geneigte Dächer. Ein Fenster hatte exakte Grössen und passte perfekt. Mit Abdeckplatten konnte ich perfekt gerade Flächen bauen. Das einzige Problem war die verfügbare Menge an Legosteinen, die damals doch recht teuer waren.

Lego war klasse, aber völlig anders als die Ziegelei. In den Gebäuden der Ziegelei gab es Eisenträger, die statische Aufgaben hatten. Manchmal waren sie verrostet und verbogen. Teile der Gebäude waren eingestürzt und es gab viele Gruben und Keller. Überall standen alte Gerätschaften, die ich nicht kannte. Die Ziegelei war irgendwie interessanter als Lego. Sie hatte eine Geschichte. An den Wänden standen manchmal handgeschriebene Worte und Zahlen. Legosteine haben keine wirkliche Geschichte. Man kann das, was man gerne bauen möchte, einfach zusammenstecken.

Wenn ich heute durch ein altes Haus gehe, muss ich immer an meine Legosteine und an die Ziegelei denken. Die Legosteine repräsentieren das Praktische und die Ziegelei das Schräge, Ungerade, Interessante und Unbekannte.

Um das etwas anschaulicher zu machen, hier ein kleines Beispiel von einem Dachboden.
So sah es aus, nachdem wir den ganzen Schutt entfernt hatten.

Attic
Die Grundfläche ist 11 mal 6 Meter, der First ist 4,30 Meter hoch. Wir wollten ein Apartment hier bauen, das ganzjährig vermietet wird.
Nach vielen Überlegungen teilten wir die Fläche ungefähr in der Mitte. Die eine Seite wurde ein grosser Raum mit einer Küche.  Die andere Seite ein Schlafzimmer, ein Bad und ein Flur zum Treppenhaus. In der Mitte haben wir eine Mezzanine eingebaut um Abstellplatz und einen Wärmepuffer zu haben.
Die Wände sind mit Fermacell Platten gebaut, die Decke mit Gipsplatten, der Fussboden mit Holz und alten Fliesen. An den Wänden befindet sich ein Kalk-Gipsputz mit Farbpigmenten .

Wooden floor in the living room #app3

Das obere Foto erinnert mich an meine Abenteuer in der alten Ziegelei.  Man sieht noch das alte Dach und die Holzbalken. Allerdings waren im obigen Haus zwei Balken nicht mehr zu retten und mussten ersetzt werden.

Das untere Foto erinnert mich an meine Legosteine. Die Strukturen stehen, die Küche, Teile des Fussbodens und das “Finish” fehlt noch. Als Mietwohnung musste das Apartment natürlich auch praktisch und hell sein. Mit Fermacell Platten kann man recht einfach klare Strukturen schaffen. Die Wände können gut gedämmt werden, die Versorgungsleitungen verschwinden und drumherum befindet sich immer noch das alte Haus. Wenn es einem nicht mehr gefällt, nimmt man die Wände einfach wieder heraus. Es ist wie bei Lego, klare Winkel, gerade Flächen und jede Menge Flexibilität.
Wie bei Lego muss man aber aufpassen, dass man nicht übertreibt mit der Geradlinigkeit, daher haben wir beschlossen, Teile des Fussbodens mit alten Terracotta Fliesen zu belegen und die alten Türen wieder zu verwenden.

Used tiles in the kitchen #app3
door #app3

Die Wohnung ist durch die freiliegenden Deckenbalken, die alten Fliesen und die alten Türen ein angenehme Mischung aus “Legosteinen und Ziegelei” :).

Ich erzähle etwas über mich

Hagen Graf

Letzte Woche habe ich beschlossen Iron Blogger zu werden und jede Woche mindestens einmal zu bloggen. Da mich die meisten anderen Iron Blogger im Rhein-Neckar Gebiet gar nicht kennen, möchte ich mich vorstellen und etwas über mich erzählen.

Ich wohne seit 2006 in Fitou, Frankreich. Das liegt am Meer und entspricht so ziemlich jeder nordeuropäischen Klischeevorstellung von Südfrankreich.
Es ist auch wirklich schön hier.

Ich habe seit 2006 keinen Wohnsitz mehr in Deutschland und bin auch nicht oft in Deutschland. Wenn ich mal nach Deutschland reise, besuche ich meist Veranstaltungen über Open Source Software oder meine Familie oder ich kaufe so etwas wie Fenster, Werkzeuge, Farben und andere Dinge, die man zum Renovieren von Häusern benötigt und hier manchmal nur schwer bekommt.

Ich bin mittlerweile 50 Jahre alt. Ich habe 1994 meine Traumfrau gefunden und ich habe 4 Töchter und einen Enkel.

In meiner Twitter Bio steht

consultant, author, trainer, solution finder, web architect, developer, open source specialist, visionary, orator, the good old webmaster.
Able to simplify!

Das ist alles richtig, spiegelt aber nur einen Teil meines Lebens wieder.

Seit fast 20 Jahren (seit 1997) renovieren wir beispielsweise “nebenbei” alte Häuser. Das steht nicht in meiner Twitter Bio, wird aber zunehmend wichtiger in meinem Leben. Ein altes Haus in seiner Grundstruktur zu erkennen, zu verstehen und zu renovieren bedarf viel Ausdauer.
Ich habe dabei soviel gelernt, dass ich etwas darüber erzählen will.

Aber vielleicht hat ja auch jemand von euch eine Frage ?