Hello, art und die begehbare Datenbank

Limestone Rocks

Letzte Woche war ich bei einem Stage de Moulage.
Nachdem ich verstanden hatte, was eine Moulage überhaupt ist, stellte sich die Frage:

Hm, was baue ich denn nur?

und ich musste unwillkürlich an meine Erlebnisse im Kunstunterricht Ende der siebziger Jahre denken.
Damals arbeitete ich oft an irgendeiner fixen Idee stundenlang herum und kaum einer meiner Mitschüler (und schon gar nicht mein Lehrer) verstand so recht, was ich da tue.
Ich habe dann meist in der letzten Stunde noch schnell das gemalt, was ich sollte und alles war gut.
Das Verhalten sehe ich auch heute noch sehr oft bei Programmierern 🙂

Was soll ich bauen?

Wenn ich etwas anfange, soll hinterher irgendwas herauskommen. Es fällt mir schwer, einfach zu “probieren”. Ich fange meist mit etwas Einfachem an und verfeinere es dann. Mittlerweile scheint das auch total in und akzeptiert zu sein 🙂

Nun baut man ja heute keine einfachen Produkte mehr, sondern User Experiences, und so sass ich ein wenig planlos vor meinem Klumpen Lehm und hatte exakt zwei Stunden Zeit etwas daraus zu basteln.

Ich überlege schon lange, so etwas wie eine begehbare Datenbank zu bauen. Ich stelle mir dabei oft etwas wie im Foto oben vor, aber mit mehr Mustern, Mengen, Relationen und Farben. Wie ich so gedanklich durch meine wüstenhafte Datenbank streifte, erinnerte ich mich an mein kleines Assembler Beipiel und dachte

Ok, ich schreibe Hello, art mit dem Lehm

Wenn man die Buchstaben anders repräsentiert, kann man auch mit Lehm etwas machen. Ha, nun packte es mich 🙂

Wenn man Hello, art in Buchstaben schreibt, dann benutzt man natürlich einen Zahlencode. Hinter jeder Taste auf einer Tastatur steckt eine Zahl, die an den Computer übermittelt wird. Der zeichnet dann etwas auf den Bildschirm. Der ASCII-Code ist eine Variante, Text darzustellen. Das grosse H hat den Dezimalwert 72, das kleine e den Dezimalwert 101, usw.
Leider versteht der Computer keine dezimalen Werte mit denen die Menschen ganz gut klarkommen.
Der Computer benötigt binäre– (2), oktale- (8) oder hexadezimale- (16) Werte um rechnen zu können.

  • ASCII Text: Hello, art
  • Dezimale Repräsentation: 72 101 108 108 111 44 32 97 114 116
  • Binäre Repräsentation: 1001000 1100101 1101100 1101100 1101111 101100 100000 1100001 1110010 1110100
  • Hexadezimale Repräsentation: 48 65 6c 6c 6f 2c 20 61 72 74
  • Oktale Repräsentation: 110 145 154 154 157 54 40 141 162 164

In Farben

Was mit Buchstaben geht, geht natürlich auch mit Farben. Farben werden auf Bildschirmen als RGB Wert (Rot, Grün, Blau) dargestellt. 100 Teile Rot, 100 Teile Grün und 100 Teile Blau ergeben beispielsweise eine Art Grau mit dem Hexadezimalcode #646464

Wenn ich mir mein Hello, art in Farben ansehe, sieht es so aus:

                   
nur Rot
                    
nur Grün
                    
nur Blau
                    

QR-Code

So, sieht Hello, art als QR-Code aus
hello, art

Balkendiagramm

Das hier sind Balken, die den Dezimalwert eines jeden Buchstaben anzeigen

hello_art-diagram

Schrift

Hier sind die Buchstaben in der relativen Farbe (Grüntöne) und die Grösse der Buchstaben wie im Dezimalwert.

hello_art_green_characters

Audio

So hört sich das als Morse Code an.

und hier die Variante als Midi Töne, gespielt von einem Piano.

Oktave 5 – C
Oktave 7 – F
Oktave 8 – C
Oktave 8 – C
Oktave 8 – D#
Oktave 2 – G#
Oktave 1 – G#
Oktave 7 – C#
Oktave 8 – F#
Oktave 8 – G#

Hello, art in Lehm

Nunja, und so beschloss ich mit Lehm zu schreiben.

Hello, art – Version 0.9

And ... painted with primer

Die 1.0 Version wird noch gepinselt.

Was baue ich im “Stage de moulage”?

Heute geht es um “Moulage”. In La Palme gibt es die Association L’Atelier,  die regelmässig Kurse für alle möglichen künstlerischen Techniken anbietet. Im Sommer haben sie unser ehemaliges Büro für eine Ausstellung genutzt. Ich war war echt beeindruckt von den ausgestellten Dingen und wollte auch mal etwas “machen”.

Letzte Woche erhielt ich dann eine Einladung zu einem “Stage de moulage”.
Ein erster Blick auf Wikipedia erklärte mir den Begriff folgendermassen

Moulagen (franz. mouler: etwas formen) sind Abformungen erkrankter Körperteile. Sie stammen aus der Zeit, in der die Farbfotografie noch nicht die heutige Qualität hatte. (Wikipedia)

Naja, dachte ich mir … warum nicht. Du musst ja mal mit irgendwas anfangen 🙂

In der Einladung stand, ich solle ein Brett mit vier Nägeln mitbringen.

Meine Befürchtung, dass wir uns mit dem Brett die Wunden beibringen, die wir dann abformen, wurde glücklicherweise nicht erfüllt 🙂

Das Prinzip einer Moulage ist eigentlich ganz einfach. Es ist wie töpfern, nur ohne brennen.

  1. Mit Ton eine Figur erstellen
  2. Gips über diese Figur giessen
  3. Den Ton aus dem trockenen Gips kratzen
  4. Mit Leinöl und Terpentin die Innenseite pinseln
  5. Mit Gips und Pferdeschwanzhaaren auffüllen und aushärten lassen
  6. Die umgebende Gipshülle ablösen
  7. Pinseln
  8. Ratespiel … Was habe ich gebaut?

1. Mit Ton eine Figur erstellen

Dazu nimmt man das Brett mit den Nägeln und legt etwas Plastikfolie über das Brett. Dann formt man nicht so sehr eine komplette Figur, sondern eine etwa 2,5 cm dicke Schicht Ton, die man auf der Oberseite zu irgendwas formen kann. Zum Formen gibt es kleine Holzstücke (Mirettes)

Mirettes

Ich habe so etwas gebaut:

hello, art

Das Brett mit den Nägeln dient dazu, das die Figur nicht verrutscht und das Plastik macht es einfach, den Ton später vom Holz abzulösen. Diese gebastelte Tonfigur wird später das Ergebnis sein. Sie besteht dann allerdings aus Gips.

2. Gips über diese Figur giessen

Über diese Figur wird dann Gips in zwei Schichten gegossen. Der umgebende Gips ist die “Moule”.

Erste Schicht

Premier couche

Zweite Schicht

Die zweite Schicht muss etwas dicker sein, als die erste Schicht. Sie heisst “Gangue”.

Gangue

 

3. Den Ton aus dem trockenen Gips kratzen

Nachdem die beiden Schichten getrocknet sind (am besten über Nacht), löst man die Figure vom Nagelbrett und dreht sie um.  Dann wird der Ton mit geeigneten Werkzeugen herausgekratzt. Im günstigstes Fall geht das ganz leicht.

Preparation du moule

Preparation du moule

4. Mit Leinöl und Terpentin die Innenseite pinseln

Die nun entstandene Moule dient als Form für das eigentliche Objekt, das aus Gips bestehen wird. Da die Moule auch aus Gips ist, muss die Innenseite mit Leinöl und Terpentin (Verhältnis 4:1) gepinselt werden, damit sich man die beiden Teile später wieder trennen kann.

Preparation du moule

5. Mit Gips und Pferdeschwanzhaaren auffüllen und aushärten lassen

Nachdem die Leinöl/Terpentin Mischung getrocknet ist, kann man flüssigen Gips einfüllen. Erst eine kleine Schicht, dann vollständig. Zur Stäbilität werden an den Ränder Haare (vom Pferdeschwanz) eingelegt.

Erste Schicht

Premier couche de platre

Pferdeschwanz

Queue de cheval

Zweite Schicht

ach, ein Haken muss auch noch rein, wenn man seine Figur später an die Wand hängen will.

Secondaire couche de platre

6. Die umgebende Gipshülle ablösen

Nun muss alles gut trocknen (über Nacht) und dann kann die Moule mit Hilfe von Holzbeitel und Hammer entfernt werden. Dazu legt man das ganze Ding auf ein Kissen und hämmert ganz vorsichtig. Die Moule löst sich durch die Vibrationen, nicht durch grosse Kraft … also vorsichtig sein!

Removing the plaster

Nach endlosem pickern hat man dann die Figur, die vorher in Ton war, in Gips  … tadaaa!

IMG_20151018_104934

7. Pinseln

Nun kann die Figur noch angemalt werden. Dazu habe ich sie erstmal grundiert.
Der finale Anstrich erfolgt in den nächsten Tagen/Wochen 🙂

And ... painted with primer

8. Ratespiel – Was habe ich gebaut?

Ja und nun die grosse Frage.

Was soll das sein?

Tine sagte sofort, es müsse sich im Short Bread handeln 🙂

Weitere Ideen?

 

Assembler – “hello, art”

Ich will herausfinden, was “meine” Kunst ist. Ich habe vor mehr als 30 Jahren mal Assembler gelernt und sogar ein paar Programme geschrieben (Was ist Assembler?).
Also los … stellen wir doch mal die Uhr ein wenig zurück.

Ich nutze heutzutage Mac OS X auf einem MacBookAir und möchte ein Assembler Programm erstellen.
Installation des Compilers
Erstmal benötige ich Homebrew als Paket Manager um mir den Assembler Compiler nasm zu installieren. Ich öffne das Terminalfenster und los:
ruby -e "$(curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/Homebrew/install/master/install)"
brew install nasm
Danach erzeugt der Befehl nasm -v die folgende
Ausgabe
$ nasm -v
NASM version 2.11.08 compiled on Sep 22 2015
Der Compiler ist installiert!
Programm schreiben
Ich erzeuge mir eine Datei mit dem Editor nano und füge dort den Code für das hello, art Programm ein. Keine Bange, den Code habe ich auch nur kopiert – Link siehe unten.:
nano hello_art.asm

; hello_art.asm - a "hello, art" program using NASM

section .text

global mystart                ; make the main function externally visible

mystart:

; 1 print "hello, art"

    ; 1a prepare the arguments for the system call to write
    push dword mylen          ; message length                           
    push dword mymsg          ; message to write
    push dword 1              ; file descriptor value

    ; 1b make the system call to write
    mov eax, 0x4              ; system call number for write
    sub esp, 4                ; OS X (and BSD) system calls needs "extra space" on stack
    int 0x80                  ; make the actual system call

    ; 1c clean up the stack
    add esp, 16               ; 3 args * 4 bytes/arg + 4 bytes extra space = 16 bytes
    
; 2 exit the program

    ; 2a prepare the argument for the sys call to exit
    push dword 0              ; exit status returned to the operating system

    ; 2b make the call to sys call to exit
    mov eax, 0x1              ; system call number for exit
    sub esp, 4                ; OS X (and BSD) system calls needs "extra space" on stack
    int 0x80                  ; make the system call

    ; 2c no need to clean up the stack because no code here would executed: already exited
    
section .data

  mymsg db "hello, art", 0xa  ; string with a carriage-return
  mylen equ $-mymsg             ; string length in bytes

Nun muss die Datei compiliert, gelinkt und ausgeführt werden
Kompilierung
nasm -f macho -o hello_art.asm
Linken
ld -o hello_art -e mystart hello_art.o
Ausführen
$ ./hello_art
hello, art

tadaa 🙂

Und den Rest der Nacht werde ich damit verbringen zu verstehen, was der Code wirklich tut 🙂

Link:
http://peter.michaux.ca/articles/assembly-hello-world-for-os-x