Was baue ich im “Stage de moulage”?

Heute geht es um “Moulage”. In La Palme gibt es die Association L’Atelier,  die regelmässig Kurse für alle möglichen künstlerischen Techniken anbietet. Im Sommer haben sie unser ehemaliges Büro für eine Ausstellung genutzt. Ich war war echt beeindruckt von den ausgestellten Dingen und wollte auch mal etwas “machen”.

Letzte Woche erhielt ich dann eine Einladung zu einem “Stage de moulage”.
Ein erster Blick auf Wikipedia erklärte mir den Begriff folgendermassen

Moulagen (franz. mouler: etwas formen) sind Abformungen erkrankter Körperteile. Sie stammen aus der Zeit, in der die Farbfotografie noch nicht die heutige Qualität hatte. (Wikipedia)

Naja, dachte ich mir … warum nicht. Du musst ja mal mit irgendwas anfangen 🙂

In der Einladung stand, ich solle ein Brett mit vier Nägeln mitbringen.

Meine Befürchtung, dass wir uns mit dem Brett die Wunden beibringen, die wir dann abformen, wurde glücklicherweise nicht erfüllt 🙂

Das Prinzip einer Moulage ist eigentlich ganz einfach. Es ist wie töpfern, nur ohne brennen.

  1. Mit Ton eine Figur erstellen
  2. Gips über diese Figur giessen
  3. Den Ton aus dem trockenen Gips kratzen
  4. Mit Leinöl und Terpentin die Innenseite pinseln
  5. Mit Gips und Pferdeschwanzhaaren auffüllen und aushärten lassen
  6. Die umgebende Gipshülle ablösen
  7. Pinseln
  8. Ratespiel … Was habe ich gebaut?

1. Mit Ton eine Figur erstellen

Dazu nimmt man das Brett mit den Nägeln und legt etwas Plastikfolie über das Brett. Dann formt man nicht so sehr eine komplette Figur, sondern eine etwa 2,5 cm dicke Schicht Ton, die man auf der Oberseite zu irgendwas formen kann. Zum Formen gibt es kleine Holzstücke (Mirettes)

Mirettes

Ich habe so etwas gebaut:

hello, art

Das Brett mit den Nägeln dient dazu, das die Figur nicht verrutscht und das Plastik macht es einfach, den Ton später vom Holz abzulösen. Diese gebastelte Tonfigur wird später das Ergebnis sein. Sie besteht dann allerdings aus Gips.

2. Gips über diese Figur giessen

Über diese Figur wird dann Gips in zwei Schichten gegossen. Der umgebende Gips ist die “Moule”.

Erste Schicht

Premier couche

Zweite Schicht

Die zweite Schicht muss etwas dicker sein, als die erste Schicht. Sie heisst “Gangue”.

Gangue

 

3. Den Ton aus dem trockenen Gips kratzen

Nachdem die beiden Schichten getrocknet sind (am besten über Nacht), löst man die Figure vom Nagelbrett und dreht sie um.  Dann wird der Ton mit geeigneten Werkzeugen herausgekratzt. Im günstigstes Fall geht das ganz leicht.

Preparation du moule

Preparation du moule

4. Mit Leinöl und Terpentin die Innenseite pinseln

Die nun entstandene Moule dient als Form für das eigentliche Objekt, das aus Gips bestehen wird. Da die Moule auch aus Gips ist, muss die Innenseite mit Leinöl und Terpentin (Verhältnis 4:1) gepinselt werden, damit sich man die beiden Teile später wieder trennen kann.

Preparation du moule

5. Mit Gips und Pferdeschwanzhaaren auffüllen und aushärten lassen

Nachdem die Leinöl/Terpentin Mischung getrocknet ist, kann man flüssigen Gips einfüllen. Erst eine kleine Schicht, dann vollständig. Zur Stäbilität werden an den Ränder Haare (vom Pferdeschwanz) eingelegt.

Erste Schicht

Premier couche de platre

Pferdeschwanz

Queue de cheval

Zweite Schicht

ach, ein Haken muss auch noch rein, wenn man seine Figur später an die Wand hängen will.

Secondaire couche de platre

6. Die umgebende Gipshülle ablösen

Nun muss alles gut trocknen (über Nacht) und dann kann die Moule mit Hilfe von Holzbeitel und Hammer entfernt werden. Dazu legt man das ganze Ding auf ein Kissen und hämmert ganz vorsichtig. Die Moule löst sich durch die Vibrationen, nicht durch grosse Kraft … also vorsichtig sein!

Removing the plaster

Nach endlosem pickern hat man dann die Figur, die vorher in Ton war, in Gips  … tadaaa!

IMG_20151018_104934

7. Pinseln

Nun kann die Figur noch angemalt werden. Dazu habe ich sie erstmal grundiert.
Der finale Anstrich erfolgt in den nächsten Tagen/Wochen 🙂

And ... painted with primer

8. Ratespiel – Was habe ich gebaut?

Ja und nun die grosse Frage.

Was soll das sein?

Tine sagte sofort, es müsse sich im Short Bread handeln 🙂

Weitere Ideen?

 

4 Replies to “Was baue ich im “Stage de moulage”?”

  1. Du sprichst von erkrankten Körperteilen? Hast du dich an diese Vorgabe gehalten oder nicht – das ist schon mal die erste Hürde.

    Die erste Assoziation war ein Bett, das sich anatomisch anpasst, aber das ist es wohl doch eher nicht. Aber vielleicht was mit Wirbeln in “vergrößert”?

    Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß: Dass ich sowas (also das ganze handwerkliche Tun) auch gerne mal wieder tun würde. Wir haben mal was ähnliches mit Keramik in der Ausbildung gemacht. Gips ist ein Material, das ich total mag. Es fasziniert mich.

    Und ja, ich mag auch das Teil da, dass du gebaut hast. 🙂

  2. Ich dachte, es ist etwas für Brotscheiben reinzustellen, oder es soll Arbeitsspeicher oder Server symbolisieren. Da es an die Wand soll, könnte es eine Lampe sein, aber wo ist die Lichtquelle?
    Toll beschrieben hast Du die Technik. Das macht Lust, es auch mal zu probieren.
    Hmm vielleicht kann man CDs in die Ritzen quetschen? Oder Messer reinhängen oder ein Handtuchhalter?

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