Porsche Museum & Werksführung

Ich wollte schon immer mal ins Porsche Museum. Vor ein paar Wochen hat es dann geklappt, sogar mit einer Werksführung.

Das Stammwerk der Firma Porsche ist in Stuttgart/Zuffenhausen. Es besteht aus dem Karosseriebau, dem eigentlichen Montagewerk, der Motorenfertigung, einer grossen Verkaufsniederlassung und dem Museum. Zwischen den Bereichen befindet sich ein Kreisverkehr in dessen mittlerem Bereich drei Porsche Modelle an Stahlträgern aufgehängt sind.

Porsche Museum

Das Museum ist eine sehr komplizierte Betonkonstruktion, hier eine Entwurfsskizze.

Porsche Museum

Das Museum hat einen oberen und einen unteren Bereich. Der Empfang, ein Shop, ein Restaurant und eine Oldtimer Werkstatt sind im unteren Bereich. Über eine lange Rolltreppe gelangt man in die Austellungsräume.

Porsche Museum

Auf dem Rundgang gibt es viele schöne Autos zu sehen  – hier ein paar Beispiele:

Ein Austro Daimler “Bergmeister” (1932)

Porsche Museum

Der erste 356 Porsche (1948)

Porsche

Der 356 America Spider

Porsche

911er in allen Facetten

Porsche 911

Gut hat mir der Porsche Carrera GT aus dem Jahr 2004 gefallen.

Porsche Carrera GT

Wenn man am Ende der Austellung angekommen ist, sieht man ein Schild “Die 2010er Jahre”.

Die Firma Porsche gehört seit dem Jahr 2010 zum Volkswagen Konzern. Das Schild markiert das Ende einer Ära. Links von diesem Schild sind die aktuellen Modelle in roter Lackierung hintereinander aufgereiht und die SUV passen so gar nicht in diese Austellung …

Aktuelle Modelle

… ein 918 Spider steht etwas verloren in einer Ecke …

918 Spyder

… mit mattschwarzer Lackierung sieht er sehr aggressiv aus und stellt für mich den grösstmöglichen Gegensatz zu den eleganten, älteren Autos dar. Dazu noch zwei Tweets

Auf drei Drehscheiben stehen dann als Abschluss der Austellung aktuelle 911 Sondermodelle und ich verstehe langsam, dass Porsche zu einer Modefirma, mit mehreren Kollektionen pro Jahr, geworden ist. Die Sondermodelle sind limitiert, kosten oft das Doppelte eines Serien 911ers und werde den Bestandskunden zuerst angeboten. Die Kunden interessieren sich für scheinbar für Details wie Scheinwerfer und Bremsen. Die verschieden farbigen Bremssättel stellen auch eine nach aussen sichtbare Statushierarchie dar (Aufpreis für eine Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) – 8508,50 Euro).

Porsche, Rim, Brake

Porsche

Die giftgrünen Teile scheinen noch teurer zu sein und sehen  meiner Meinung nach nicht wirklich schön aus. Hier ein Aussenspiegel.

Porsche Aussenspiegel

Werksbesichtigung

Fotografieren verboten – Handies müssen abgegeben werden! Ich versuche mal eine Beschreibung.

Mit einer kleinen Gruppe anderer Besucher wurde ich durch die Produktion geführt und war tief beeindruckt. Das Werk ist sehr eng, überall auf dem Aussengelände stehen fertige Fahrzeuge. Es hat keinen Gleisanschluss, jedes x-te (ich glaube 10te) Fahrzeug macht eine Probefahrt auf öffentlichen Strassen und als Krönung ist der innere Teil des Werkes (eine alte Backsteinhalle) denkmalgeschützt und kann nur mit Einschränkungen genutzt werden.
Das grösste Problem hier ist fehlender Raum!

Die Besichtigung beginnt im dritten Stock eines relativ neuen Gebäudes. Die fertigen Karosserien werden über eine Brücke aus dem Karosseriewerk, welches sich auf der anderen Strassenseite befindet, transportiert und das Fliessband beginnt. Es ist absolut faszinierend mit welcher Perfektion gefertigt wird. Kleine Roboterkarren bringen die benötigten Teile ans Band. Die Fahrzeuge werden “unsortiert” montiert. Also beispielsweise ein 911 Cabrio, dann ein Coupe, dann irgendein anderer Typ. Die Montage erfolgt weitgehend per Hand. Das ist insofern interessant, weil beispielsweise die Scheiben aus Genauigkeitsgründen von Robotern eingesetzt werden. Beim 911 Targa ist es  dem Roboter aus Platzgründen unmöglich die Heckscheibe einzubauen ohne durchs Hallendach zu stossen und so wird diese Scheibe per Hand montiert.

Die Armaturenbretter werden komplett zusammengebaut (Rechts- und Linkslenker gemischt) und dann in das Fahrzeug gebaut. Bei manchen Fahrzeugen geht das konstruktionstechnisch nicht, da müssen die Arbeiter die Armaturenbretter dann im Auto montieren.

Die Felgen und Reifen sind riesig, wenn man sie so für acht Autos neben dem Band liegen sieht 🙂

Im Motorenwerk werden derweil die Motoren gebaut und passend angeliefert.

Irgendwann ist das Auto komplett, ein Arbeiter fährt es vom Band. Die Fahrzeuge sind elektronisch auf maximal 35 km/h gedrosselt und sehen sehr schick aus 🙂

Hier in Zuffenhausen werden nur 2türige Fahrzeuge gebaut (911, Cayman, Boxter, 918 Spyder), die SUV und der Panamera werden in Leipzig, Hannover und Bratislava gebaut.

Beim Rundgang wurde mir klar, welche Logistik hinter so einer Fertigung steckt und dass die Montage eigentlich “nur” das Zusammenbauen perfekt passender, zum richtigen Zeitpunkt angelieferter Teile, bedeutet. Das machte mich neugierig, wer das eigentlich alles plant und erfindet.

Porsche Dienstleistungen

Porsche besitzt weitere Firmen wie Porsche Consulting, Porsche EngineeringMHP, CAx-Portal und natürlich Porsche Financial Services, die offenbar gut zusammenarbeiten und auch Projekte für Kunden realisieren.
Die Firma Porsche ist ja als Ingenieurbüro gestartet (Mann und Maus). Die 0-Serie des Kampfpanzers Leopard wurde übrigens auch von Porsche – Typ 814 – entwickelt. Ausserdem entwickelte Porsche Motoren für Harley Davidson, Gabelstapler für Linde, Flugzeug Cockpits für Airbus, Traktoren, Skilifte, Feuerwehrsysteme, und vieles andere mehr – und sprechen wollen sie darüber auch nicht so wirklich 😉

All Porsche Engineering customer projects are subject to the strictest discretion and confidentiality. Absolute secrecy is and always has been a matter of principle with us. (Website)

Das Firmenvideo zeigt ein wenig von der Atmosphäre, die auch in der Montage herrscht. Ich kann mich nicht so recht entscheiden, ob ich diese  “Männerwelt” gut oder bedrohlich finde. Beeindruckend ist es auf jeden Fall.

Leider kann man diesen Teil der Firma nicht besichtigen 😉

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