Unterwerfung – Michel Houellebecq

Ich habe Zeit zum Lesen und geniesse es. Gerade habe ich das Buch Unterwerfung von Michel Houellebecq durchgelesen. Er spielt im Jahr 2022.
Frankreich hat ein Problem mit sich selbst, dem Front National und den Muslimen.

Um den Front National zu verhindern, haben die sozialistische Partei und die Konservativen im zweiten Wahlgang ein Bündnis mit der islamischen Partei geschlossen. Momentan (2015) gibt es keine islamische Partei aber die Gründung einer solchen ist überfällig. Der Anführer der islamischen Partei Ben Abbes ist jung und von allen Seiten des politischen Spektrums geschätzt. Er wird Staatspräsident und fängt an das Land zu verändern.

Francois, Erzähler und Hauptfigur des Buch, arbeitet als Literaturwissenschaftler an der Universität Sorbonne. Er ist Mitte vierzig, Single und hat immer wieder Beziehungen mit Studentinnen. Meistens lernen die nach kurzer Zeit einen Anderen kennen und dann bringt das neue Semester eine Neue. Francois letzte Freundin war Jüdin. Nach der Wahl verlassen viele Juden Frankreich. Auch seine Freundin zieht mit ihren Eltern nach Tel Aviv. In Francois Leben passiert ausser seiner Lehrtätigkeit und den Studentinnen nicht viel, er hat Paris nie verlassen.

Die ganze politische Entwicklung wird aus seiner Perspektive beschrieben.

Das Patriarchat, die Scharia und die Polygamie werden unter Abbes eingeführt. Der Staatshaushalt wird umgebaut. Die Marktwirtschaft ist allgemein anerkannt und soll nicht abgeschafft werden. Junge Menschen sind unternehmerisch orientiert. Ben Abbes sagt, dass Wahlen nicht auf dem Feld der Wirtschaft, sondern auf dem der Werte gewonnen werden und die will er Europa zurückgeben. Die Familie und die traditionelle Moral werden durch verschiedene Massnahmen (Subventionen und Gesetze) gestärkt. Frauen hören auf zu arbeiten, dadurch sinkt die Arbeitslosenquote und es steigt die Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften. Abbes will Europa ähnlich dem römischen Reich gross und bedeutend machen. Er will alle Mittelmeer Anrainer Staaten in die EU aufnehmen und verhandelt mit Marokko, Algerien, Ägypten und der Türkei. Die französische Sprache wird wieder der europäische Normalfall und rein wirtschaftlich geht es schnell steil bergauf.

Francois schaut sich das alles an, beschreibt seine Situation und die ihn umgebenden Umstände, wägt ab … und konvertiert zum Islam.

Das Leben von Francois, seiner Studenten, der Muslime, der Franzosen in der Zeit vor der Wahl wird meines Erachtens perfekt beschrieben. Es ist mehr oder weniger ereignislos und trist. Nach der Wahl werden die Strassen sauberer, die Kriminalität sinkt, der Wirtschaft brummt, neue Märkte werden erschlossen, Katholiken können ihrem Glauben weiterhin nachgehen … und irgendwie ist alles gar nicht sooo schlecht für Typen wie Francois. Selbst sein Frauenproblem wird durch die frisch eingeführte Polygamie und eine Heiratsvermittlerin am Ende gelöst. Er profitiert von der Islamisierung, verdient am Ende mehr als vorher und sein Leben nimmt eine frische Wendung.

Das Buch ist auf so vielen Ebenen erschreckend, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Es ist am 07.01.2015, dem Tag des Attentats auf die Redaktion von Charlie Hebdo erschienen und sagt Entwicklungen, die dann tatsächlich eintraten, voraus. Ich kann mir vorstellen, dass es in einer islamischen Variante einer europäischen Zukunft nach 2022 durchaus so laufen könnte.
Eine ebenso mögliche rechte Variante dieser Zukunft mit dem Front National wäre bereits 2017 in Frankreich denkbar.

Auch wenn das Buch schon zwei Jahre alt ist – Klare Leseempfehlung!

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