Ich fahre vom Grünen ins Blaue – aber wie?

Ich fahre gern Auto, Motorrad oder Fahrrad. Vermutlich kommt das daher, weil ich auf einem Dorf aufgewachsen bin. Öffentlicher Nahverkehr existierte in meinem Dorf damals passend zu den Arbeitszeiten. Morgens fuhren drei Busse (6, 7, 8 Uhr) in die Stadt und am Nachmittag/Abend wieder zurück (16, 17, 18 Uhr). Dazwischen gab es noch einen um 10 für die, die verschlafen hatten und einen Bus für Schulkinder wie mich, der um 14 Uhr aus der Stadt kam. Nach 18 Uhr fuhr nichts. Wer dagegen einen fahrbaren Untersatz hatte, war “frei”. Bei mir begann diese “Freiheit” mit einem Fahrrad, das es mir erlaubte, schnell an die angesagten Stellen in der Nähe des Dorfes zu kommen. Später hatte ich dann ein Mofa und Mopeds und noch etwas später dann Motorräder und Autos.

Heute wohne ich wieder auf einem Dorf. Wieder gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr, bzw. nur so einen, wie oben beschrieben und wieder bedeutet ein Auto eine gewisse “Freiheit” (Ich weiss natürlich um die Probleme des motorisierten Individualverkehrs).

Wenn ich irgendwo hin fahre, versuche ich eine Reise daraus zu machen.

Cattles

Ich suche mir eine Route abseits der Autobahn und trödele über Landstrassen. Halte mal hier und mal dort an, fotografiere, höre Podcasts und erledige Einkäufe (Käse von hier, Pigmente von dort, Kram zum renovieren). Ich bin immer wieder erstaunt, was ich so alles erlebe beim Fahren und freue mich drauf.
Wenn ich dann zurückkomme, ist es schön, die ganzen Schätze auszupacken und zu verbauen oder zu essen :).

Öffentlicher Nahverkehr ist anders. Da ich oft “das erste Mal” irgendwo bin oder das letzte mal vor vielen Jahren dort war, erschliesst sich mir die aktuelle Organisation des Fahrkartenerwerbs und die Beschreibung der Linien nicht auf Anhieb. Neulich in Berlin bin ich zweimal in die falsche Fahrtrichtung mit der S-Bahn (oder war es U-Bahn oder Tram) gefahren, weil ich die Ausschilderung nicht auf Anhieb verstanden habe. Fragen hilft auch nicht immer, kaum jemand kennt sich aus. Wenn ich mit Bahn und Bus fahre, darf ich nicht “trödeln”. Ich muss gut organisiert sein um keine Abfahrt und keinen Anschluss zu verpassen. Oft funktioniert etwas nicht und erzeugt unnötige Wartezeiten.
Es gibt auch Positives zu berichten. Manche Orte, an die auf diese Art gekommen bin und manche Leute, denen ich begegnet bin, sind auch interessant.

Warum erzähle ich das?

Es ist Winter in Nordeuropa und ich muss da hin. Ich muss gewissermassen vom Grünen ins Blaue.

Wetter im Januar
Wetter im Januar

Als ich die Reise plante, dachte ich nicht wirklich an Schnee und Eis. In meinem Dorf braucht man keine Winterreifen und es wird auch nicht kälter als 5 Grad über Null. Da wo ich hinfahre, sollen es nächste Woche tagsüber 5 Grad unter Null und in der Nacht noch viel kälter werden. Ausserdem soll es glatt sein, Eisregen wird fallen und Schnee liegen. Das Auto würde sicher so aussehen …

Winter wonderland

und die Strassen so

Winter wonderland II

Will ich das mit dem Auto erleben?

Nein, das will ich natürlich nicht. Ausserdem sagen mir alle Leute, dass es in der Schweiz und in Deutschland einen gut entwickelten öffentlichen Nahverkehr und ganz viele, tolle, neue Verkehrskonzepte gibt. Also habe ich mich, vernünftig, wie ich bin, für die Anreise per Bahn und Flugzeug entschieden. Mit der Bahn (TGV) geht es von Narbonne nach Zürich und mit dem Flugzeug von Zürich nach Köln. Dazwischen muss ich mal gucken, wie ich täglich zur Arbeit komme. Vielleicht kann ich ja ein Fahrrad (oder einen Schlitten 😉 ) mieten oder wohne in der Nähe einer Bushaltestelle.
Da fällt mir ein … eine Mütze brauche ich … und dicke Socken … und Handschuhe … und eine warme Jacke … und ein Zusatzakku fürs Telefon …

 

 

 

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