Ach Hagen, ich bin da inzwischen pragmatisch geworden. Das hat viel mit “Verzeihen können” zu tun – und auch wollen.
Ich war ja eine zeitlang von meinem Mann getrennt – der eine große Familie hat, ich hingegen bin Einzelkind – und ich hab sehr an dieser Familie gehangen. Von daher hatte ich damals nicht nur meinen Mann, sondern auch meine Familie verloren. Hm… und ich hatte dazumal auch ein paar herbe Enttäuschungen erlebt – z. B. hat mich ein Schwager eben mal zu seinem 50. Geburtstag ausgeladen (obwohl ich vorher eingeladen war) mit den Worten: Die Kinder (+ der Freund meiner Tochter) sind eingeladen – du nicht. Das tat schon weh… – irgendwann haben mein Mann und ich wieder zueinander gefunden und die Familie war auch wieder da. Schwierig für alle Beteilligten. Keiner wusste so richtig, wie man miteinander umgeht. Anfangs bin ich ihm bewusst aus dem Weg gegangen, später hatte ich mir vorgenommen, ihn offen anzusprechen, hab aber nie die passende Situation und die passenden Worte gefunden. Inzwischen sind 4 Jahre vergangen und ich kann ihm auch so wieder in die Augen sehen, auch wenn ich vorsichtig bin. Ob ich ihm verziehen habe? Ich weiß es nicht. Ich hab auf jeden Fall versucht, mich in ihn reinzuversetzen, die “Sache” aus seinem Blickwinkel zu betrachten, nicht nur aus meinem verletzten Blickwinkel. Ihm ist das sicher damals nicht leicht gefallen, mich auszuladen – wir mochten uns schließlich und saßen in der Vergangenheit oft nächtelang mit ner Flasche Rotwein bei uns auf dem Sofa und er hat sich seine Sogen von der Seele geredet – während mein Mann/ sein Bruder auf besagten Sofa eingepennt ist. Von daher war dieser Anruf für ihn sicher nicht leicht – aber irgendwie konnte von denen halt keiner mit der Trennung umgehen und er wird Sorge gehabt haben, dass es eskalieren könnte, wenn mein Mann und ich und ich uns damals begegnet wären. Nicht die feine Art mich auszuladen – kann man sicher vorher drüber reden, wie ich mir das vorstelle, wie er sich das vorstellt. Oder sesiblere Worte wählen. Aber nun gut – es ist wie es ist. Ich hab die Wahl, ewig verletzt zu sein oder ich hab die Wahl wieder auf ihn zuzugehen. Und stattdessen dankbar dafür zu sein, dass mein Mann und ich wieder eine Familie sind. Statt Groll zu hegen und mich in der Vergangenheit zu bewegen, die ich nicht mehr ändern kann.
Trotzdem hat sich die Gewichtung/ Bedeutung von Familie für mich verschoben. Ich hab da viel drüber nachgedacht – damals z. B. gab es auch ganz viel positive Erlebnisse und Hilfe von Menschen, mit denen ich nie gerechnet hätte – dafür wurde ich von anderen enttäuscht wo ich geglaubt habe, dass sie mir nahe stehen.
Fazit ist, dass ich versuche, achtsam durch das Leben zu gehen. Dinge nicht für selbstverständlich zu nehmen, die es gar nicht sind. Danke zu sagen, für eine nette Begegnung oder einen schönen Moment, dankbar zu sein für Sonnenstrahlen und ein Lächeln.
Wie konntet ihr euer “Beerdigunsproblem” lösen?