Die Weisheit der Binse

Letzte Woche hatte ich ja so einen eher nachdenklichen Artikel gepostet (27 Jahre) und wir haben uns danach tatsächlich daran gemacht bis zum Jahr 2031 und darüber hinaus verschiedenen Szenarien durchzurechnen.

Die spannende Antwort auf die grundsätzliche Frage gleich mal vorweg.

Nein, ich will noch nicht mit dem Arbeiten aufhören um durch die Welt reisen zu können. Ich mache das anders!

Nun werde ich hier nicht unsere finanziellen Verhältnisse aufdröseln (übrigens auch ein gutes Beispiel dafür, warum man eine gewisse Form von Privatsphäre benötigt) aber mir sind auch ein paar Dinge aufgefallen, die mir vorher nicht sooo klar waren.

Vermögen

Im verlinkten Blogeintrag hatte ich die Rechnung schon mal aufmacht.

Wenn ich es schaffe (gemeinsam mit meiner Liebsten) mit 2000 € im Monat auszukommen, dann reden wir über immerhin 648000 € Kosten für 27 Jahre.

Das wäre das Szenario, wenn ich von den 648000 € monatlich 2000 € abhole und am Ende des Geldes “versterbe”. Das klappt natürlich prinzipiell, grosse Sprünge beim Reisen sind allerdings nicht drin und was passiert, wenn ich mich nicht passend zur Deadline verhalte? 😉

Ich könnte mein Vermögen auch “arbeiten” lassen, sprich Zinsen bekommen oder Aktien kaufen oder so.

Zinsen: Um 24000 € bei einem Zinssatz von einem Prozent zu erhalten, benötigt man fast 2,5 Millionen Euro (also ein eher schwieriges bis hoffnungsloses Unterfangen)

Aktien und so: Wäre eine Option, bei der vielleicht ein höherer Erlös rausspringt, aber ich benötige Kapital und muss mich darum kümmern. Zur rechten Zeit kaufen und verkaufen und ich kann mein Kapital auch flugs vernichten.

Dinge: Ein Nachbar hier sammelt beispielsweise alte Autos:

Citroën SM

Das ist für “NichtAutoSpezialisten” ziemlich unkalkulierbar. Ein altes Auto verkauft sich nicht mal eben auf die Schnelle. Ähnlich verhält es sich mit Kunst, Antiquitäten und ähnlichen Dingen. Oft ist ein grosser Anteil Liebhaberei bei solcher Art Vermögen dabei.

Gelernt: Wenn man von seinem Vermögen leben muss, benötigt man doch recht viel davon.

Regelmässige Einkünfte ohne Vermögen

Regelmässige Einkünfte sind gut, die erhält man allerdings nur, wenn man arbeitet, durch eine gesetzliche Rente oder ein bezahltes und vermietetes Haus. Einmal pro Jahr bekommt man als Deutscher so einen Brief von der Rentenkasse in dem steht, wieviel Rente man erhält, wenn es soweit ist. Ich verrate sicher nicht zuviel, dass der Betrag, der dort steht auch nicht im Ansatz unsere Ausgaben decken würden. An dieser Stelle erinnere ich mich immer an die Leute, die gern Beamter werden wollten wegen der schönen Pension.

Gelernt: So eine fette Pension ist schon etwas Feines.

Die Sache mit der Arbeit

Ich habe früher daran geglaubt, dass ich mal so vor mich hin arbeite und irgendwann ist das dann vorbei … und dann aber … holla die Waldfee (mit 66 Jahren, da fängt das Leben an). Mittlerweile glaube ich eher, dass das niemals aufhört mit der Arbeit. Unter anderen deswegen fing ich vor  20 Jahren an nur noch die Arbeit anzunehmen, die mir Spass macht und nur noch mit freundlichen Kunden zusammen zu arbeiten. Eine zugegebenermassen höchst luxuriöse Entscheidung. Mein Einkommen ging daraufhin drastisch zurück, meine Lebensqualität wurde allerdings ebenso drastisch besser.

Gelernt: Habe ich gut gemacht #schulterklopf

Was mir bisher noch nicht so klar war, war …

Die Sache mit der Zeit

Ich bin ja so eher der freundliche Kumpeltyp, der keinem einen Wunsch abschlägt und nachdem das mit der “guten” Arbeit und den “guten” Kunden so schön klappt, fällt mir auf, das ich zwar schöne Jobs habe, aber leider keine Zeit.

Es geht also um Kosten, Erlöse, Arbeitszeit, freie Zeit.

Ich könnte

  • SPAREN:
    Kosten sparen,
    weniger arbeiten
    und hätte mehr Zeit
  • PREISE ERHÖHEN:
    Kosten bleiben gleich,
    weniger arbeiten aber besser bezahlt werden,
    dadurch mehr Zeit
  • ALLES SO LASSEN WIE ES IST

Fazit

Ziel für die nächste Zeit, ich weiss nicht ob es wieder 20 Jahre werden, wird die zweite Variante sein. Ich erhöhe selbstbewusst die Preise und hoffe, dass ich dank meiner hochwertigen Arbeitsleistung immer noch gute Projekte mit freundlichen Kunden machen werde!

Das ist nicht so revolutionär aber ein für mich durchaus erhellendes Ergebnis der Debatte. Isabell erzählt mir schon seit Jahren, dass ich mich viel zu billig verkaufe 🙂

PS: Liebe Kunden, alles bleibt gut

 

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