Die Matratze und die Europäische Union

Seit etwa zwei Jahren wollten wir eine neue Matratze für unser Bett kaufen (160*200cm). Tine hatte regelmässig morgens “Rücken” und wir schoben es auf die Matratze. Die war schon ein paar Jahre alt und sah auch ein wenig “verbraucht” aus. Die alte Matratze war eine Federkernmatratze und wurde durch die Fensteröffnung in das Schlafzimmer transportiert, als noch kein Fenster drin war! Ich war mir nicht sicher, ob wir erneut eine Federkernmatratze in dieser Grösse in unser Schlafzimmer bekommen. Immerhin liegt der Raum im ersten Stock.

Wir sprachen immer mal wieder über das Thema “Matratzenkauf”. Wenn wir mal bei Ikea waren (120km entfernt, in Montpellier), legten wir uns kurz auf die ausgestellten Matratzen, hatten aber nicht wirklich einen Plan, worauf man achten muss. Ich tendierte zu einer “Nicht Federkernmatratze” wegen des Fensterproblems, Tine tendierte zu einer “festen” Federkernmatratze wegen ihres Rückens.

Zeit verging …

Eines Tages waren wir mit dem Auto am Flughafen Schönefeld und mussten drei Stunden warten (ich weiss nicht mehr genau den Zusammenhang). Ikea ist nicht weit vom Flughafen entfernt und wir beschlossen: Heute ist es soweit! Heute probieren wir alle Matratzen aus und  entscheiden uns für ein Modell. Unsere Wahl fiel auf das Modell Hesseng, fest.

Der Plan II: Wenn wir jemanden aus Montpellier vom Flughafen abholen, kaufen wir die Matratze (Ikea ist gleich neben dem Flughafen).

Dummerweise waren die Abholungen vom Flughafen immer! ausserhalb der Geschäftszeiten von Ikea. Ein, zweimal hätte es gepasst, aber da war ein Fahrrad im Gepäck oder wir hatten keine Zeit.

Am 11.6.2017 war es dann soweit. Ich hatte einen kurzen Termin in der Schweiz, musste mit dem Auto fahren und wir bemerkten, dass die Matratze in Deutschland bei Ikea gerade im Angebot war (599€ statt 699€). In Frankreich kostet das Modell 749€. Die unterschiedlichen Preise von Ikea sind uns schon öfter aufgefallen. Es lohnt sich also durchaus vor dem Kauf eines teureren Artikels mal zu vergleichen. Manchmal ist es in Spanien billiger, manchmal in Deutschland.

Der Plan III: Mein Termin in Zürich sollte um 16:00 Uhr beendet sein. Danach wollte ich nach Freiburg zu Ikea fahren. Die Fahrt dauert gute 2 Stunden, Ikea macht um 20:00 Uhr zu, sollte also klappen. Sechs Matratzen waren nach online Auskunft auf Lager.

Der Termin dauerte bis 18:00 Uhr und ich überlegte, was ich denn nun mache. Ich musste pünktlich wieder zurückfahren und konnte nicht übernachten. Ohne Matratze wollte ich auch nicht wiederkommen. Da fiel mir ein, dass ich die Matratze ja auch in Zürich kaufen kann, schliesslich gibt es da ja auch Ikea. Gesagt, getan … die Matratze kostete 699 CHF., was etwa 645 € entspricht.

Der Plan IV: Ich kaufe die Matratze in Zürich bei Ikea. Ausserdem brauchte ich noch ein paar Liegestühle für die Apartments, einen speziellen Syphon für eine Küche und ein paar andere Sachen. Die meisten Dinge waren erheblich preiswerter als in Frankreich.

Da ich Bargeld in Euro dabei hatte, fragte ich an der Information, ob ich denn damit bezahlen könne. Ja, kein Problem.
Ich kaufte alles und stand erwartungsfroh an der Kasse. Ich konnte in Euro bezahlen, 699 CHF wurden allerdings zu 699 €. Ich hatte noch ein paar Franken in bar und so wurde die Bezahlung ein Kuddelmuddel zu meinen Lasten :(.
Alle waren freundlich und halfen mir noch die Matratze auf dem Autodach zu befestigen. Ich fuhr frohen Mutes Richtung Deutschland.

Die Matratze in Zürich

Willkommen in der Europäischen Union

Am Hauptzollamt Rheinfelden wurde ich dann herausgewunken. Mehrere Bundespolizisten und Zollbeamte (8 Leute!) umringten mein Auto und fragten nach dem Ding auf dem Dach. Ich berichtete ganz stolz, dass das eine Matratze sei, die ich gerade bei Ikea gekauft hätte und sie sich keine Sorgen machen müssten das da Rauschgift oder andere böse Dinge drin seien – hahaha. Die Beamten verzogen keine Miene und wollten Ausweis, Führerschein, Fahrzeugpapiere und die Rechnungen für alle Waren, die im Auto sind, sehen. Auf meine Nachfrage, warum das alles kontrolliert wird, kam die Antwort:

Sie wollen Waren in die Europäische Union einführen und haben keine Zollpapiere. Das ist strafbar und wir müssen nun feststellen wieviel Zoll Sie für ihre eingeführten Waren bezahlen müssen!

Oha … es war 22:30 Uhr und mir wurde langsam klar, dass ich ein Problem habe. Mein Vorschlag, die Verpackung wegzuwerfen und so zu tun als wäre es eine gebrauchte Matratze, fand keinerlei Unterstützung.

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Dinge in die Europäische Union einführte. Alles ist in der EU geregelt und der Zollbeamte erklärte mir höflich aber bestimmt, dass ich  insgesamt etwa 250 € bezahlen müsste und die Bundespolizei, nach kurzer Beratung, von einer Strafanzeige Abstand nehmen würden. Zu diesem Zeitpunkt war das Eis gebrochen und alle Beteiligten mussten über meine Geschichte schmunzeln:

Haha – das wussten Sie nicht?
Die Schweiz ist doch nicht in der EU!

Ich hörte nur 250 € und zerbrach innerlich. Nach einer längeren Diskussion einigten wir uns dann auf eine “Matratzenpauschale zum ermässigten Steuersatz von 15%” und ich kam mit 95,94 € davon. Ich war so stolz auf mich und so fertig und so müde und überhaupt … ich hatte eine neue Matratze!

Die Matratze - Einfuhrunterlagen - Quittung
Die Matratze – Einfuhrunterlagen – Quittung
Pauschale ... andere Waren - Matratze
Pauschale … andere Waren – Matratze
Verzollte Ikea Rechnung
Verzollte Ikea Rechnung
Berufsinformationstage im Zollamt
Berufsinformationstage im Zollamt

Epilog

Ich bin gut zu Hause angekommen, wir haben die Matratze durchs Fenster bekommen und Tine kann jetzt viel besser schlafen.
Alles gut 😉

 

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4 Replies to “Die Matratze und die Europäische Union”

  1. Und nun Denkspiel: In BRD gekauft, Transit durch die Schweiz (Einfuhr in Nicht-EU-Land) nach Frankreich (Einfuhr in die EU) — wieviele Finanzbeamte braucht es, um eine Bügelflasche Bier zu öffnen?

    Schildbürgerei, meiner Meinung nach; aber eben reales Leben.

    1. Das Lustige war, das ich vorher Dinge in Deutschland gekauft hatte, die ich quasi in die Schweiz “geschmuggelt” hatte und nun wieder in die EU zurückbringen wollte …

  2. Das mit dem Wiederzurueckbringen ist mir auch mal passiert. Ich hatte eine externe Festplatte von Deutschland mit in die USA genommen, und dann, zusammen mit anderen Sachen, in einem Paket wieder nach Deutschland geschickt. Selbiges Paket wurde vom Zoll festgehalten, und ich musste es persoenlich abholen. Und dabei natuerlich oeffnen. Auf ein paar Sachen, die ich in der USA gekauft hatte, musste ich dann auch Einfuhrzoll zahlen. Und eine etwas uebereifrige Zollbeamtim meinte, ich muesse auch die Festplatte verzollen. Auf meinen Einwand, ich haette sie ja in Deutschland gekauft und nur fuer einen laengeren Urlaub mit in die USA genommen, meinte sie nur, da haette ich sie eben bei der Ausfuhr anmelden muessen. Da ich das aber versaeumt habe, sei nun Einfuhrzoll faellig. Ihr Kolllege aber, der sozusagen fuer mich zustaendig war, war kulanter und liess die Festplatte durchgehen. Mit einem Blick uebrigen auf die Kollegin, der wohl bedeutete, “Was mischt die alte Zicke sich da ein.” 😉

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