Jordanien – Wie war es denn?

Wie war es denn in Jordanien? Das fragen mich viele Leute, nachdem ich nun wieder zuhause bin. Vermutlich erwarten sie von mir ein „schön“ oder ein „ach, nicht so gut“. Ich gehöre zu den Leuten, die auf solche Fragen ehrlich anfangen zu erzählen wie es denn nun war und das dauert meistens lange und ist gar nicht so einfach. Ich probiere es mal.

Praktische Dinge

Wir haben in Amman einen Mietwagen gebucht und in Aqaba wieder zurückgegeben. Das Strassennetz ist sehr gut ausgebaut. Das Benzin ist billig (0,8 €/l und weniger). Der Jordanische Dinar ist an den US Dollar gebunden. Die Preise werden werden oft als Nettopreise angegeben auf die dann noch 16% MwSt kommen. In den Städten sind die Verkehrsschilder auf Englisch und Arabisch. Auf Nebenstrassen oft nur in Arabisch. Das ist bei Weggabelungen schon mal eine Herausforderung. Eine Telefon SIM mit 10 GB Traffic kostet bei Zain 20 Dinar (24 €).

Die Menschen und so

Die Menschen sind durchweg sehr sehr freundlich, hilfsbereit und aufmerksam. Das ganze Land besteht eigentlich aus Flüchtlingen, die in verschiedenen Wellen eingewandert sind. Die Stadt Amman beispielsweise besteht zu mehr als 90% aus Palästinensern, die seit 1948 (Palästinakrieg) und 1967 (Sechstagekrieg) dort leben. Es gibt auch noch Flüchtlingslager aus dieser Zeit. Die Leute sind Araber, gehören jedoch unterschiedlichen Religionen an. Frauen müssen sich nicht verschleiern und auch ansonsten sieht alles aus wie in Europa. Hier ein ganz putziges Beispiel. Auf dem Paris Square in Amman ist eine Weihnachtsdekoration, im Hintergrund ruft der Muezzin und vor dem Café, in dem ich sitze parkt ein alter VW Bus.
Einfach auf das Bild klicken, dann siehst du das Video auf Flickr.

Paris Square - Amman - Jordan

So grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass die Leute hier mit allem zurechtkommen und bereits eine Menge erlebt haben in den letzten 4000 Jahren.

In Jerash steht eine römische Stadt, die erst zu 20% ausgegraben ist.

Jerash

Wenn du archäologisch interessiert bist … hier ist der Rest … fang einfach an zu graben. Es liegen so acht bis 15 Meter Erde und Schutt über den Ruinen.

Jerash - you only have to start digging!

In Madaba besichtigten wir die Mosaikkarte. Es ist die älteste im Original erhaltene kartografische Darstellung des sogenannten Heiligen Landes und insbesondere Jerusalems. Sie stammt aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Was mir auffällt ist, dass sie aus Sicht des Mittelmeers dargestellt ist, also Süden ist oben und Norden unten.

Map of Palestine

Hier gibt es auch eine Menge „Bibeltourismus“, also Leute, die die Stellen bereisen, die in der Bibel erwähnt sind. Auf der Weiterfahrt zum Totem Meer sehe ich dann dieses „heilige Land“. Es ist sehr beeindruckend aber auch sehr unwirtlich. Meine Gedanken dazu habe ich auf Instagram gepostet.

Names for and a few events in this region: 5th Century BC Name: Palestine 135 AD Name: Roman Syria and Roman Judaea 390 AD Byzantine period – Names: Palaestina Prima, Palaestina Secunda,and Palaestina Salutaris 20th Century – Name: British Mandatory Palestine (Sykes–Picot Agreement) 14.05.1948 Establishment of the State of Israel. Israel later captured the Gaza Strip and the Sinai Peninsula from Egypt, the West Bank (including East Jerusalem) from Jordan, and the Golan Heights from Syria in June 1967 following the Six-Day War. The October 1974 Arab League summit designated the PLO as the "sole legitimate representative of the Palestinian people" and reaffirmed "their right to establish an independent state of urgency. 15.11.1988 Declaration of Independence – State of Palestine (recognized by 136 UN members) 1994 the PLO established the Palestinian National Authority (PNA or PA) 2006, Hamas took over control of the Gaza Strip (it already had majority in the PLC), and Fatah took control of the West Bank. From 2007, the Gaza Strip was governed by Hamas, and the West Bank by Fatah. 10.01.2015, the first Palestinian embassy in a western European country opened in Stockholm, Sweden. Today it is an “Israeli-occupied territory”. The water level of the Dead Sea is dropping by 1 meter per year. Reason for that: Israel takes out a lot of water from the Sea of Galilee (because they are not allowed to take it from the Jordan River) so that nearly no water reaches the Dead Sea anymore. Seen from Mount Nebo,Jordan where the Memorial of Moses is located. With less dust it would be possible to see Jericho, Jerusalem and Ramallah #moses #memorial #mountnebo #deadsea #border #politics #history

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Zu diesen Zeitpunkt merke ich wie wenig „Fakten“ ich eigentlich über diese Region weiss. Ich verbringe zwei Tage mit lesen und recherchieren und bin immer faszinierter von der Geschichte,

Das Tote Meer selbst trocknet leider aus, weil Israel das Wasser des Jordan zum bewässern der Negev Wüste und anderer Siedlungen verwendet. Jordanien plant den Bau eines Kanals vom Roten Meer um das zu verhindern. Nächstes Jahr wird mit den Bauarbeiten begonnen. Ich verstehe nicht, warum man nicht, so wie früher, das Wasser den Jordan herunter laufen lässt und Israel einen Kanal vom Roten Meer aus für seine Bewässerung baut. Das wäre irgendwie viel logischer.

Am südlichen Ende des Toten Meeres ist der Platz an dem Sodom und Gomorra lagen und Lots Frau angeblich zur Salzsäule erstarrte. Es gibt hier tatsächlich „Salzsäulen“. Ich konnte mir früher nie vorstellen, wie man auf eine solche Geschichte kommt. Hier habe ich es verstanden. Die weisse Fläche im hinteren Teil des Bildes ist Salz.

Dead Sea - south end

In dieser Gegend wurde übrigens Zucker produziert (der grüne fruchtbare Bereich davor). Das Tote Meer ist aus dieser Perspektive eine einzige giftige Bedrohung.

Zucker wurde vom 12.-15. Jahrhundert angebaut und exportiert. Die Stadt Zughar/Segor gab dem Produkt übrigens seinen Namen!
Die Einkünfte aus dem Zuckeranbau waren (relativ) vergleichbar mit denen aus der Ölförderung heute.

Wir fahren weiter Richtung Aqaba durch eine Wüste mit Sanddünen, das Dana Natural Reserve.

Dana Natural Reserve - Jordan

Dana Natural Reserve - Jordan

Danach geht es in die Berge Richtung Petra. Petra ist die ehemalige Hauptstadt der Nabataer. Sie ist nur durch eine 1,2 Kilometer lange Schlucht zugänglich. Die eigentliche Stadt liegt in einem Tal und ist durch ein Erdbeben weitgehend zerstört werden. Erhalten geblieben sind die in die Berge gehauenen Gräber, Kirchen und Wohnhöhlen.

Petra

In der Eingangsschlucht gibt es einen Bereich mit Nischen in denen kleine Götter standen. Dort haben die Besucher der Stadt zu ihren jeweiligen Göttern gebetet.

Petra - Al Siq - praying corner

In der Stadt selbst, spielte Religion wohl keine so grosse Rolle, es ging in erster Linie um Handel. Petra liegt am Schnittpunkt von sechs Karawanenstrasssen. Die Atmosphäre in der Stadt ist immer noch faszierend. Es gibt sehr grosse Bauwerke.

Petra - Urn Tomb

… von denen man atemberaubende Blicke hat.

Petra - Urn Tomb

Es ist schwer zu beschreiben 🙂

Wir fuhren weiter zum Wadi Rum, eine Gegend (100km lang, 60 km breit), die durch Lawrence von Arabien in der westlichen Welt bekannt wurde. Wegen der roten Erde wurden hier viele Kinofilme gedreht, die auf dem Mars spielten.

No, it’s not Mars 😉

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Nach dieser Reise war mein Kopf wirklich voll mit Bildern und wir hatten noch zwei Tage am Golf von Aqaba. Die Gegend ist eine Freihandelszone (5% Unternehmenssteuer) und boomt. Es gibt viele Immobilienprojekte als Gated Communities, beispielsweise Ayla. Neben unserer Unterkunft lag Tala Bay, ebenfalls eine Gated Community. Der Strand war schön und frei zugänglich mit Blick auf Eilat in Israel. Da die Sonne über Israel untergeht, hat man abends herrliche Sonnenuntergänge.

Beach

Wie war es? Schön wars 🙂

 

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