Baguette Flatrate und Automatisierungversuche

Wenn ich mein Dorf mal verlassen muss, fahre ich meistens Richtung Norden auf Landstrassen. Früher habe ich das gemacht weil ich zu geizig war, die Autobahngebühr zu bezahlen, heute ist es mehr die Neugier, wie es so aussieht im Land. In der letzten Woche war ich in den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz. Wenn es die Zeit erlaubt, versuche ich auch in den anderen Ländern die Autobahnen zu vermeiden. Bei einer Fahrt über Landstrassen lässt sich ganz gut einschätzen wie “gut” es einer Region geht. Manchmal ist es sehr sauber und aufgeräumt. Die Häuser sind gut in Schuss, die Autos eher heile, in den Dörfern und Städten, die man durchfährt sind Menschen auf der Strasse. Es gibt Bäckereien und Gasthäuser. Andere Regionen sind sichtbar arm. Viele “zu verkaufen” Schilder hängen dann an den meist zerbröckelnden Fassaden, viele Gebäude stehen leer.

Wenn ich unterwegs bin, ist das so ein wenig wie Urlaub. Wenn ich etwas Interessantes sehe, fahre ich hin und schau es mir an. Das kann ein Antiquitätenladen sein oder eine Sehenswürdigkeit. Es ist aber nur so ein kurzes “Hinsehen”. Ich setze dass dann eher auf eine kleine Liste in meinem Kopf und denke, dass ich das Christine mal zeigen muss. Ich brauche so eine Tour alle paar Monate um einen Realitätsabgleich über dieses Europa zu bekommen.

Bei dieser Reise stolperte ich immer wieder über das Wort Automatisierung. Beispielsweise war ich in einem Hotel in der Schweiz, das einen “automatisierten”  CheckIn anbietet (MyWay). Das Hotel ist wunderschön. Wenn ich eine Frage hatte wie “Wie ist das WiFi Passwort?”, konnte ich das in einen Tabletcomputer im Zimmer tippen und bekam in wenigen Minuten eine Antwort auf dem Bildschirm angezeigt. Vielleicht gibt es ja schon CallCenter, die sich mit Hotels beschäftigen, vielleicht war es auch schon ein Bot mit künstlicher Intelligenz. Alles in diesem Hotel war durchdacht und perfekt, wirklich alles. Autos gelangen mit einem (sehr schönen) Aufzug in die Garage, (natürlich mit der Zimmerkarte).

My Way Hotel
My Way Hotel

Aber … in Schweizer Hotels hatte ich bisher meistens sehr positive Erlebnisse mit dem Personal. Freundlich, zuvorkommend, einfach klasse – Hotels können die Schweizer echt gut! Den einzigen Menschen, den ich in diesem Hotel sah, war eine ältere, sehr freundliche Dame, die das Frühstücksbuffet verwaltete und Kaffee oder Tee servierte. Sie hatte das Problem, dass die Teiglinge im Backofen nicht richtig warm wurden. Man konnte den Ofen aber nur “booten”. Temperatur regeln war nicht vorgesehen weil der Backvorgang automatisch ist. Man hätte den Ofen gewissermassen “hacken” müssen. Ich trank also einen Café, knabberte am Appenzeller Käse und sie erzählte mir, dass der Chef Wert darauf legt, dass alles gut funktioniert und dass er gleich kommt.

Wie gesagt, das Hotel war perfekt, die Einrichtung schön, die Matratze klasse. Aber die Dame vor dem Ofen war das, was mir im Gedächtnis blieb. Der letzte Rest der “Nicht Automatisierbarkeit”  gewissermassen. Es ist dieser “Charme” der sich nicht schwer automatisieren lässt. Es ist ja nicht schlimm, wenn das Brot nicht perfekt ist, dafür hatte ich eine angenehme, kurze Unterhaltung. Andere Gäste hätten das vielleicht anders gesehen. Die Möglichkeiten der Automatisierung sind immens, aber die Emphatie, die Menschen einem Unternehmen oder eine Marke “einhauchen” ist doch immens.

Grosser Sprung zum Apple Store im Glatt Center. Ich wusste genau, was ich wollte und versuchte das so zeitsparend wie möglich zu kaufen, ausserdem wollte ich herausbekommen wie das mit dem Batterietausch beim iPhone 6s funktioniert. Bei Apple läuft das so, dass du dich bei einem Mitarbeiter am Eingang anmeldest und deinen Namen sagst, dann musst du je nach Andrang ein wenig warten und kannst im Laden die Produkte ausprobieren. Ein Mitarbeiter kommt irgendwann auf dich zu, berät dich und verkauft dir das Gewünschte. Es gibt keine Kasse, der Mitarbeiter ist “dein” Ansprechpartner und hat ein “Zaubergerät” in der Hand, mit dem die Ware bestellt und über welches auch bezahlt wird. Ein anderer Mitarbeiter bringt  dann das Produkt. Im günstigsten Fall macht das Verkaufsgespräch sogar Spass, manchmal jedoch geht es schief. Apple versucht diese Balance aus Automatisierung und Emphathie und macht das schon ganz gut. Die Persönlichkeit der Mitarbeiter ist wichtig. Trotzdem wirkt das alles auf mich sehr bemüht, sehr statisch und so überhaupt nicht emphatisch. Gefühlt “bester” Apple Store in diesem Sinne ist , meiner Meinung nach, der in der Bahnhofstrasse in Zürich.

Nächster Schritt – Ohlala – ein automatisiertes Hotel in Frankreich. Hotel F1 wurde 1984 gegründet, gehört der Accor Gruppe und ist mittlerweile echt automatisiert und optimiert. Vermutlich verdient es sogar Geld. International spielt es keine Rolle und mittlerweile gibt es Hotel F1 nur noch in Frankreich. Dort betreibt Accor 219 Hotels mit rund 16.000 Zimmern, in denen 2016 sieben Millionen Gäste übernachteten. Die Preise liegen um zwischen 25 und 40 Euro und die Zimmer sind so gestaltet, dass drei Personen übernachten können. Duschen und Toiletten sind auf dem Gang. Der CheckIn ist ebenfalls automatisiert, es gibt jedoch eine Rezeption und ein Mitarbeiter wohnt im Haus. Billiger und optimierter kann man vermutlich nicht im eigenen Zimmer übernachten. Es ist ein bisschen wie Camping im Wohnmobil. Wenn ich durch Frankreich fahre, benutze ich oft F1 Hotels. Manchmal sind sie supersauber, manchmal ein wenig heruntergekommen, die Zimmer sind aber immer sauber und ok. Jetzt haben sie die Handtücher wegoptimiert. Man muss sein eigenes Handtuch mitbringen 🙂

Zimmer in einem F1 Hotel
Zimmer in einem F1 Hotel

Zum Frühstück gibt es ein “Buffet” für 3,50 Euro. Es gibt IMMER (heute ist Sonntag) frische und leckere Baguettes, Butter, Honig und guten Kaffee. Was will man mehr 🙂

Und nun sitze ich hier, fühle mich wohl, schreibe diesen Blogeintrag (Ja, eine Steckdose hat es auch 🙂 ) und weiter geht es. Gegen 20:00 Uhr werde ich wohl zu Hause sein.

 

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