Die grossen Datensammler wie Facebook und Google haben viele Schnittstellen in ihren Systemen. Die heissen APIs und bieten Zugriff auf Daten. Externe Anbieter können unter bestimmten Bedingungen auf diese Daten zugreifen und ein Geschäftsmodell darum bauen. Das ist im Prinzip so ähnlich, als wenn ein Handyhüllenhersteller für ein bestimmtes Telefonmodell eine Hülle anbietet oder ein Autozubehörhersteller für einen bestimmten Autotyp sein Zubehör. Wenn das Telefon nicht mehr gebaut wird, ist das Hüllengeschäft vorbei, genauso beim Autozubehör.

Im Falle der Daten geht es dabei immer um Monetarisierung, das Kombinieren und Anreichern von existierenden Daten und darum, noch mehr Anreize zu schaffen um neue Daten zu sammeln, die dann wieder für irgendwelche Services genutzt werden können. An die Kunden wird immer die “Gute Seite” verkauft.

Wir helfen dir, bla bla …

Ich kann mir das immer schwer vorstellen, aber scheinbar glauben viele Menschen wirklich, dass ihnen geholfen wird und dass

  • Facebook die Daten von Instagram, WhatsApp, etc. NICHT mit den “eigenen” Daten verknüpft,
  • Messenger Chats NICHT mitgelesen werden
  • Google die E-Mails, Docs, Dateien, Standorte, Suchen, etc NICHT scannt
  • und das, wenn ich irgendwo “privat” ankreuze, dass dann auch privat ist.

Ich vermute, die meisten Firmen wissen gar nicht, wer alles im Besitz dieser Daten ist. In dem Moment, wo Daten in so eine Plattform übermittelt werden, ist es dem Urheber nicht mehr möglich, sie zu kontrollieren. Selbst auf dem Weg in die Plattform werden ja schon “Full Takes” gezogen.
In so einer Situation ist schon alles verloren, da sind Sicherheit und Datenschutz ad absurdum.

Ich finde das auch alles, ehrlich gesagt, gar nicht so super schlimm, wenn die Datensammler alles mitlesen und verwerten. Sie haben es mir in den Geschäftsbedingungen gesagt und ich habe ihrem kostenlosen Service zugestimmt. Ich “zahle” mit meinen Daten (oder eben nicht, je nachdem, wie ich mich entscheide). Ob das ein gutes Geschäft ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Natürlich ist ein Leben ohne Facebook und Google möglich. Die entscheidende Frage ist doch nur, ob ich das will.

Nach den ganzen Vorkommnissen um Cambridge Analytics hat Facebook nun beispielsweise einzelne APIs angepasst. Manches ist anders geworden, manches geht gar nicht mehr, beispielsweise der Zugriff auf die Teilnehmerliste eines Events oder ähnliches.

Wenn ich als Firma nun mein Geschäftsmodell auf den Bedingungen eines API Zugriffs aufgebaut habe, kann es sein, dass nach einer Änderung dieser Bedingungen mein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert (viele Twitter API Benutzer können ein Lied davon singen). Das ist wie mit den Handyhüllen und dem Autozubehör nach der Einstellung des jeweiligen Produkts.

Mal abgesehen von der “Seriosität” eines Anbieters sind die doch alle voneinander abhängig. Und wenn man abhängig ist, hat man auch nicht mehr viel Spielraum in der eigenen Meinung. In Leanders Beispiel ist es ja vielleicht wirklich schade. Da geht es um einen Event Kalender als WordPress Plugin, der nun nicht mehr so gut funktioniert wie vorher.

Aber die allgemeine Empörung finde ich doch etwas naiv. Wir sind alle Teil dieser Systeme. Wer mit dem Finger auf Facebook und Google (und Apple und Amazon und IBM und Oracle und und und) zeigt, macht es sich zu einfach.

Und auch wenn Dritte nun nicht mehr so einfach auf die Daten von Facebook zugreifen können, die Daten sind ja noch da, die sind ja nicht weg … und wer wirklich will, der kommt da schon heran 🙂

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