Guy war unser Nachbar seit 12 Jahren. Er wohnte gemeinsam mit seiner Frau drei Häuser neben unserem Haus. Seine Haus hat einen grossen Balkon mit vielen Blumen und unten eine grosse Cave (Garage). Oft waren die Holztüren der grossen Cave offen und Guy bastelte an seiner langen Werkbank an irgendwelchen Dingen. Er fuhr einen uralten Peugeot 404 Pickup. Das Auto war blau, in einem guten Zustand und hatte eine graue Plane. Ich bin ein paar mal mitgefahren, um etwas zu transportieren.

Ich bin oft an seinem Haus vorbeigegangen, wenn ich irgendwelches Werkzeug aus unserem Haus geholt habe. Wenn wir uns dann gesehen haben, kam er meist aus der Garage oder ich ging hinein und wir haben uns über das jeweils anstehende Problem/Projekt unterhalten. Er hat mir erzählt, was er macht und ich ihm, was ich vorhabe. Guy hatte eine sehr ruhige Art handwerkliche Dinge zu erledigen und war immer sehr interessiert. Als wir beispielsweise in unserem Garten Bäume/Wein beschneiden mussten, fragte ich ihn um Rat. Er wusste genau, was man wo schneiden muss und half uns sofort. Er hatte natürlich auch eine Schere mit der das besonders gut funktionierte. Guy war ein unauffälliger Mensch. Ich glaube, er war auch Künstler oder zumindest sehr an Kunst interessiert. 

Seit längerer Zeit hatte er gesundheitliche Probleme und “konnte nicht mehr so, wie er wollte”. Christine hat auch schon mal etwas über Guy und seine Frau geschrieben (Ich habe Zeit verschenkt ).

Es stellte sich dann heraus, dass er Krebs hat. Die Garagentore waren immer noch offen, wenn ich vorbei ging, aber Guy war nicht so oft an seiner Werkbank. Er hatte jetzt immer öfter einen Verband oder einen Schlauch irgendwo, ein medizinischen Gerät zum Überprüfen von Daten und erklärte mir das auch immer. Das wäre die Chemo-Therapie auf diese oder jene Art, der Schlauch sei dafür und dafür gut und weitere Details. Guy wurde während diesen Therapien immer dünner und wirkte eingefallen. Seine Stimme wurde immer leiser. Ich konnte deutlich sehen, dass die Dinge nicht gut standen.

Letzte Woche war ich zwei Tage unterwegs und kam in der Nacht zum Mittwoch nach Hause. Am Donnerstag beim Frühstück sagte Tine zu mir, dass Guy gestorben sei und um 11 Uhr die Beerdigung stattfindet. Vor seinem Haus stand in den Tagen ein Ständer mit einem Kondolenzbuch in dem man sein Beileid übermitteln konnte.

Um 11 Uhr sind wir dann zur Kirche in Fitou gegangen. Die kleine (katholische) Kirche war voll (> 100 Besucher). Guys Sarg stand blumengeschmückt auf einem kleinen Podest und der Priester (oder Pfarrer, ich weiss nicht genau, wie das heisst), hielt einen Abschiedsgottesdienst. Die Angehörigen sagten etwas, es wurden Lieder gespielt und Weihrauch geschwenkt. Nach der Andacht ging ein Klingelbeutel herum und die Besucher warfen Münzen und Scheine hinein. Ich hatte glücklicherweise etwas Geld in der Telefonhülle dabei. Ich stand in der hintersten Ecke der Kirche und war sehr berührt von dem was ich da sah.

Draussen war es sehr heiss, in der Kirche war es kühler. Die Kirche von Fitou ist sehr einfach, um nicht zu sagen ärmlich eingerichtet. Im Publikum waren zu gefühlten 100 % weisse Besucher. Der Priester hatte schwarze Hautfarbe. Die Stimmung war für mein Empfinden eher positiv, trotz des traurigen Anlasses. Als der Sarg dann aus der Kirche rausgetragen wurde, habe ich angefangen zu weinen. Ich weiss gar nicht so recht warum, aber es ging mir sehr nahe.

Die Träger haben den Sarg dann zum Grab auf dem Friedhof in Fitou gebracht und die lange Schlange von Besuchern ging hinterher. Ich wollte mich nicht aufdrängen, hielt mich im Hintergrund und habe das Grab nicht gesehen. Beim verlassen des Friedhofs standen seine nahen Angehörigen am Tor und ich habe jedem die Hand gegeben und mein Beileid ausgedrückt.

Das Bild oben ist ein historisches Bild von Fitou. Ich weiss nicht genau, in welchen Jahr es aufgenommen worden ist aber Guy ist den zwanziger und dreissiger Jahren aufgewachsen. Da hat es in Fitou so ausgesehen.

Guy wurde 89 Jahre alt und er war, glaube ich, einer von den Guten.

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  1. Kann es einen schoeneren Satz in einem Nachruf geben als, “er war, glaube ich, einer von den Guten.”? Ich wuensche, dass kann man einmal auch an meinem Grab sagen.

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