Warum benutzt du Instagram? Zwei Leute, die ich persönlich kenne, haben angekündigt Instagram zu verlassen. Mit einem der beiden habe ich kurz über das Thema in WhatsApp (!) gechattet. Ich schlug als Alternative zu Instagram Pixelfed vor. Die Antwort beschäftigt mich nun seit ein paar Tagen.

Der Auslöser

Hier der Screenshot aus dem WhatsApp Chat.

WhatsApp Chat

Warum benutze ich Instagram?

Am 2. Dezember 2012 habe ich das erste Bild auf Instagram gepostet.

Zu dieser Zeit nutzte ich schon recht lange Twitter und Facebook. Ein Foto konnte man dort posten, aber der Upload dauerte recht lange, weil die Datenübertragungen bei mobilen Verbindungen langsam waren. Ausserdem kostete es Geld, weil mobiler Traffic “teuer” war, verglichen mit einem Flatrate DSL Anschluss zuhause. Bilder postete ich im Jahr 2012 daher eher nicht von einem Smartphone, sondern vom heimischen PC auf Flickr.

Der “Fotodienst” Instagram startete in diesem Umfeld mit einer cleveren Idee. Zunächst mal gab es Instagram nur auf dem Smartphone (mobile first!). Instagram reduzierte vor dem Upload die Grösse (und die Qualität) der Fotos, so dass sie schnell hochgeladen werden konnten. Um den Qualitätsverlust auszugleichen bot Instagram viele Filter an, die das Foto verfremdeten und dafür sorgten, dass der Qualitätsverlust nicht auffiel. Im April 2012 kaufte Facebook den Fotodienst Instagram.

Hier ist mein erstes Instagram Foto – Es hat bis heute 0 (null) seit heute ein Like :)

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Hearts

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Ich probierte alle möglichen Filter aus und spielte mit Möglichkeiten Fotos ein wenig zu verfremden.

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Just bought :)

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So eine richtige Verwendung hatte ich für Instagram nicht. Ich postete hin und wieder ein Foto, dass ich besonders interessant fand und hinter dem meist ein lange Geschichte steckte. Für mich war es wie eine persönliche Pinwand mit Erinnerungen. Die Geschichte dazu erzählte ich allerdings selten weil die hatte ich ja in meinem Kopf. Zu dieser Zeit verstand ich Instagram nicht als soziales Netzwerk sondern als Möglichkeit zum Bilderupload, als Archiv ungeeignet, als Spielwiese ok. Im November 2013 postete ich ein Foto von einem Renault Twizy mit dem ich eine Probefahrt gemacht hatte. das Foto wurde zu meiner Überraschung vom Instagram User der Renault Group geliked.


Ich verstand, dass Instagram nun für Firmen interessant ist und ein Massenphänomen ist/wird. Vermutlich hatte Facebook irgendeine Methode zur Monetarisierung gestartet. Meine Tochter erklärte mir, dass viele User Hashtags folgen und dann die dazu passenden Bilder ansehen. Wenn man also Hashtags zu den Fotos schreibt, sehen das mehr Leute und man erhält viele Likes. Die Sache mit den Likes war mir bis dahin eher suspekt. Bei Twitter wurde anfangs nicht “geliked” sondern “gefavoritet” im Sinne von “ich merke mir den Post”. Die Likes wurden aber so modern das Twitter im Jahr 2015 (also 3 Jahre später) das auch einführte.

Nachdem ich darauf hingewiesen wurde, fiel mir das tatsächlich auf mit den vielen Hashtags. Das war mir aber zu kompliziert und so postete ich weiterhin Fotos mit einer Geschichte. Heute bekomme ich auch ein paar Likes und Kommentare und ich freue mich darüber. Ich bin manchmal überrascht welche Fotos geliked werde und welche nicht und sehe Instagram weiterhin als Erinnerungssammlung für mich.

Daten sammeln, Werbung und so

Als ich mich bei Instagram registrierte, unterschrieb ich deren Geschäftsbedingungen. Dort stand drin, das Instagram die Fotos nutzen kann und sinngemäss damit machen kann, was sie wollen. Mir war also von Anfang an klar, dass alles, was ich dort poste nicht mehr “meins” ist und vor allem nicht “geheim”. Wenn Facebook eine Firma kauft, so ist mir klar, dass dieser Erwerb früher oder später in den Konzern integriert werden wird, so wie jetzt mit den Messaging Funktionen von WhatsApp und Instagram. Von daher ist das jetzt keine grosse Überraschung für mich.
Ich denke auch daran, bevor ich ein Foto dort poste.
Mittlerweile folge ich auch einem Hashtag und freue mich über schöne Fotos :)

So insgesamt wird es mir allerdings zu kommerziell. Dabei stört mich nicht so sehr die Tatsache, dass sie meine Daten nutzen sondern mehr die Tatsache, das die Platform durch zu viel Werbung für mich “uninteressant” wird.

Und wie geht es weiter?

Für mich ist Instagram momentan:

  • vergleichbar mit dem was man früher “Illustrierte” nannte. Eine Zeitung mit schönen Bildern, die man durchblättert, wenn man nix zu tun hat. Das mache ich auch hin und wieder gern.
  • Eine Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die diesen Kanal bevorzugen (ich habe tatsächlich zwei Kontakte, die nur über Instagram Messages zu erreichen sind).
  • Für Firmen eine hochinteressante Möglichkeit Marketing zu betreiben und Feedback zu erhalten.
  • Eine Gelddruckmaschine für Facebook.
  • Eine von vielen Möglichkeiten “Aufmerksamkeit” in der Aufmerksamkeitsökonomie zu erhaschen.

Neben den proprietären Plattformen wie Instagram, WhatsApp, Facebook und Twitter erforsche ich gerade das Fediverse und wechsele immer mehr dorthin. Ich bin allerdings weit davon entfernt zu sagen: “Löscht Instagram, Facebook und Twitter. “

Ich tendiere eher dazu zu sagen.

“Macht, was ihr wollt, habt Spass und lest die Geschäftsbedingungen bevor ihr euch registriert und damit einen Vertrag unterschreibt”.

Und warum bist du bei Instagram?

Das interessiert mich jetzt wirklich. Schreib doch mal einen Kommentar mit der Antwort.

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1 Comment

  1. Danke für diesen Beitrag. Es deckt sich ziemlich mit meinen Erfahrungen und Gedanken. Ich vermeide es zunehmend Facebook und dessen zugekaufte Produkte zu verwenden. Whatsapp ist passé. Facebook betreue ich noch eine Handvoll Seiten. Mit einem persönlichen Profil nutze ich es nicht mehr. Von Instagram habe ich mich noch nicht vollständig gelöst. :-) Pixelfed löst es noch nicht. https://pixelfed.social/HDValentin

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