Einmal im Jahr gibt es eine Veranstaltung im Europapark Rust, die wirklich bemerkenswert ist – das Cloudfest. Bemerkenswert insofern, da sich die dort vertretenen Firmen erfreulich “normal” präsentieren und die Stimmung meiner Wahrnehmung nach gut ist. Nun weiss ich natürlich, dass das Wort “normal” für jeden eine andere Bedeutung hat. Ich empfinde beispielsweise die Besucher des Chaos Communications Congress ebenfalls als normal. Verglichen mit dem Congress ist das Cloudfest natürlich irgendwie das Gegenteil. Alles, aber auch wirklich alles auf dieser Veranstaltung hat mit Geld verdienen, Wachstum, Status, Konkurrenz und der Erfindung neuer Geschäftsmodelle zu tun. Das Charmante dabei ist, dass nicht Amazon, Google, Microsoft, SAP und Oracle dort vertreten sind, sondern eher kleinere, bzw. unbekanntere Unternehmen. Das hat ein wenig mit der Geschichte der Veranstaltung zu tun, die ursprünglich World Hosting Days hiess und ein Treffen von Akteuren der Hostingbranche war, also Server, Kabel, Betriebssysteme, Festplatten, Netze, Schränke und alles, was das Hosting Herz so begehrt.

Nun ist das mit dem Hosting Business heute so eine Sache. Wir haben ein Comeback von Grossrechnern und “Dumb Tubes” vermischt mit Services aller Art. Es gibt alles in der _aaS Variante, also ___ as a Service. Infrastructure as a Service – IaaS, Platform as a Service – PaaS und natürlich Software as a Service – SaaS. Jedes Jahr werden mehr Abstraktionsebenen erfunden auf den ursprünglichen, eher kleinteiligen, Hosting Anbieter Markt draufgesattelt und so versinken die einen immer tiefer in den Abstraktionsschichten mit ihrer Firma und die anderen machen auf den neu entstandenen Layern ihre Geschäfte. Diese Jahr waren diese neuen Layer natürliche Machine Learning (of course as a Service), BlockChain (Hyperledger) und zahlreiche andere Buzzwords aus dem Gartner HypeCycle. Server und Software für “Serverless Computing” gab es auch zu sehen.

Dies vorangestellt empfehle ich ein paar Talks,

How Openness Can Challenge Tech’s Oligopolies

Jeder konnte mal freie Protokolle benutzen, eine Firma gründen und einen Service anbieten. Heute ist das ein wenig schwieriger …
Der Herr, der dort vorträgt baut übrigens an einer Alternative zu WhatsApp (Heise, 25.3.2019 Chatten per Mail: Open-Source-Veteranen wollen WhatsApp Konkurrenz machen).

Building an Open Source Community for Enterprise Blockchain

Brian Behlendorf, “Erfinder” des Apache Webservers spricht über das Projekt Hyperledger der Apache Foundation. An diesem Beispiel lässt sich meines Erachtens gut sehen, wie Zusammenarbeit von Firmen in einer Open Source Community funktionieren kann/könnte.

Huawei – Embrace Computing And Intelligence Everywhere With Chip Innovation

Dr. Kunbin Hong spricht über die Produktpaletten und Services von Huawei und die sind durchaus beeindruckend. Am Anfang wird die Frage geklärt, wie man den Namen der Firma richtig ausspricht.

Alibaba Group – 11.11

11.11 ist in China so etwas wie Black Friday in den USA … nur grösser. Ich habe das Video zur Session nur auf Facebook gefunden (Video Alibaba Group, Alibaba Cloud). Der Trailer, der 11.11 etwas besser erklärt ist auf YouTube, aber nicht einbettbar https://www.youtube.com/watch?v=CY_fE5EJZ-Q . Die Zahlen sind … nun ja … beeindruckend.

Was habe ich dort gemacht?

Hackathon

Ich war beim Hackathon am Wochenende vor dem Event und bin in ein interessantes Projekt geraten. Es war von der ICANN User Acceptance Steering Group und ging um das Thema Internationalisierung. So rein theoretisch ist es seit Jahren möglich Domainnamen und E-Mail Adressen in Unicode (und anderen Codes) zu schreiben, also so etwas beispielsweise sören@kindergärten.berlin oder natürlich auch so etwas wie 测试 5@普遍接受-测试.世界 in der chinesischen Variante. Ich hatte das Glück Klaus Landefeld in meiner Gruppe zu haben und es war interessant. Er bewegt sich seit 1984 in diesen Gefilden und hatte zu jedem Punkt im Projekt die passende Geschichte, die erklärte, warum etwas passierte. Das war für mich völlig faszinierend und ich verbrachte die Pausen mit Wikipedia Recherchen um annähernd folgen zu können. Das Projekt wird weitergehen und ich würde da auch gern weiter dran teilnehmen.

An dieser Stelle möchte ich kurz die Firma 1&1 Ionos erwähnen als einer der Sponsoren des Hackathons. Sie betreiben eine Community und haben dort auch über den Hackathon berichtet.

CMS-Garden Stand

Der CMS Garden ist eine Marketing Initiative verschiedener Open Source Content Management Systeme. Ich habe mal im Novatrend Blog darüber geschrieben (15.10 2018 – Der CMS Garten) und kenne mich ganz gut mit Drupal, WordPress und Joomla aus. Der CMS Garden ist herrlich pragmatisch und ein guter Platz auf einer Business Messe. So sah es nach dem Aufbau aus

… und hier mit den Vertretern der Open Source Content Management Systeme …

Die Arbeit im CMS Garten ist sehr wichtig, weil alle Firmen ihre Services und Produkte auf Open Source Systemen aufbauen aber nur selten die Communities unterstützen. Daher hatte ich mir als Ziel gesetzt, die Firma Ionos als institutionelles Mitglied zu “werben” (Hier geht es zum Mitgliedsantrag). So prinzipiell hat das auch geklappt, aber das grösste Problem in solchen Firmen sind organisatorische Prozesse. Ich bleibe da dran … und berichte.

Die Austellung

Die Ausstellungshalle ist wirklich bunt. Gefreut habe ich mich über den ASUS Server & Workstations Stand, der in diesem Jahr zum ersten Mal da war. ASUS Server sind eine, wie soll ich das jetzt sagen … interessante Geschichte für mich :)

Da ich mittlerweile das dritte Mal an dieser Veranstaltung teilnahm, kannte ich viele Aussteller und es ist interessant zu verfolgen, wie sich die Strategien und Geschäftsmodelle verändern (oder eben auch nicht).

Ich will da gar nicht viel zu sagen, weil das alles auch sehr individuell und persönlich ist. Für mich ist es eine echte Bereicherung, die ich wirklich extrem selten auf Ständen von Amazon, Microsoft und Google erlebe.

Die Umgebung

Der Europapark ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, weil ich eher nicht an solchen Orten auftauche aber organisatorisch ist das alles super. Ich bin sogar Achterbahn gefahren :)

Irgendwo ist immer eine Party und diesmal gab es Auftritte von RunDMC, Sebastian Bach, einer Sunshine Band von Dell aus Montpellier, ein Gospel Chor, der Lords of Uptime und viel Karaoke.

Artikel

Fazit

Das Cloudfest ist lehrreich und macht wirklich Spass (Geld lässt sich natürlich auch verdienen, wenn man es clever anstellt ;) ) Hoffentlich sehen wir uns im nächsten Jahr :)

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