Als ich klein war (Anfang der 70er Jahre) gab es in unserer Kleinstadt in Niedersachsen einem Getränkeabholmarkt. Wenn man ein Auto hatte, konnte man dort hinfahren und Wasser- und Bierkästen kaufen. Hatte man kein Auto konnte man sich Wasser- und Bierkästen liefern lassen. Ab einer gewissen Einkaufsmenge war die Lieferung kostenlos. Das Ganze war ein Pfandsystem. Die Flaschen waren aus Glas. Der Lieferservice brachte volle Flaschen und nahm die alten, leeren Flaschen mit. Die wurden gereinigt und wieder gefüllt. Ich habe dort später manchmal in den Ferien gearbeitet, weil die immer “billige” Arbeiter gesucht haben, die Getränkekisten beim Kunden aus- und einluden.

Ab 1978 wurde Coca Cola in sogenannten PET Mehrwegflaschen verkauft. PET ist die Abkürzung für Polyethylenterephthalat. Irgendetwas aus Erdöl. In den achtziger Jahren wurden die PET Flaschen als “unkaputtbar” beworden und in den Neunzigern wurden auch immer mehr andere Getränke in immer leichtere PET Flaschen abgefüllt. Die Flaschen waren leichter als Glas und, naja, im wahrsten Sinne des Wortes unkaputtbar. Anfangs wurde noch versucht Mehrwegsysteme damit aufzubauen. Das war aber nicht einfach weil soooo unkaputtbar war so eine Flasche dann auch wieder nicht. So nach und nach verschwand die Idee. Die Argumentation für PET Flaschen war dann in den neunziger Jahren, dass weniger Masse transportiert werden muss und das würde ja auch Ressourcen sparen. Auch der Reinigungsvorgang bei der Wiederverwertung entfällt (da Einweg!) und daher werden die entsprechenden Reinigungschemikalien eingespart. Man musste schliesslich in Deutschland einen Pfand bezahlen, den man auch wieder zurück bekam, wenn die leere PET Flasche abgegeben wurde.
Mehrmals verwendet wurde eine PET Flasche nicht.

Wie die Lage in der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, heute ist, weiss ich nicht. Hier in Frankreich, in dem kleinen Dorf, in dem ich wohne, sieht es mittlerweile so aus:

Es gibt keinerlei Pfandsysteme für Flaschen, weder für Wein-, Bier- noch für Wasserflaschen. Wein- und Bierflaschen sind Einwegflaschen und werden im günstigsten Fall nach Gebrauch in einen Flaschencontainer geworfen. Wasser gibt es nur in Plastikflaschen. Die leeren Plastikflaschen landen im Hausmüll, manchmal in speziellen Containern, manchmal in der Landschaft und manchmal im Meer. Der Plastikmüll, so er getrennt wird, wird eher selten wiederverwertet. Er wird nach irgendwohin exportiert oder vergraben.

Im Jahr 2018 wurden lt. Wikipedia 56 Millionen Tonnen Polyethylenterephthalat weltweit produziert. Wenn eine leere Flasche ein paar Gramm wiegt, so kann man davon ausgehen, dass es wirklich viele Plastikflaschen gibt. Jedes Jahr mehr.

Letzten Monat zog meine Tochter nach Fitou und fragte, wie wir das hier mit dem Trinkwasser machen. Ich schilderte ihr den Stand er Dinge und kam ins Nachdenken.

Das Wasser aus dem Wasserhahn ist gemäss einer europäischen Verordnung prinzipiell trinkbar. Der Lieferant Veolia bestätigt das auch auf der Wasserrechnung. Wenn man es allerdings trinkt, hat es einen seltsamen Geschmack. Im Sommer riecht es auch manchmal nach Chor. Es mag ja sein, das der Genuss des Leitungswassers einen nicht umbringt aber gesund ist es vermutlich nicht.

Wenn ich mal vorsichtig kalkuliere dann trinke ich allein 365 Flaschen Wasser pro Jahr. Dreihundertfünfundsechzig!

Plastik im Meer

Bisher gab es sehr selten Plastik am Strand und im Meer. Manchmal im Winter nach einem Sturm mit grossen Wellen. Aber das waren eher Reste von Fischernetzen. Vor fünf Wochen habe ich schliesslich das erste Mal Plastikmüll bei uns im Meer gesehen. Also so richtige Reste von Plastikflaschen und Verpackungen und so. Ich weiss nicht wo es herkam. Wir hatten eine ungewöhnliche Wetterlage und das Plastik wurde von irgendwoher angespült. Mittlerweile sind die Strömungen wohl wieder anders. Das Plastik ist wieder verschwunden. Das Wasser ist sehr klar und viele kleine Fische schwimmen da ganz romantisch drin.

Mir geht das Bild mit dem vielen Plastikmüll aber nicht mehr aus dem Kopf. Es ist etwas anderes ob du darüber liest, oder ob es plötzlich vor “deinem” Strand liegt.

Was tun?

Ich bin ein wenig hilflos …

  • Vielleicht ein Pfandflaschen Startup gründen?
  • Was würdet ihr tun oder was tut ihr?

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2 Comments

  1. @hagengrafTypisch deutscher Ansatz:Küste gegen Plastik e.V.Eiderweg 3325826 St. Peter-OrdingTel.: 0162 3495850 (Jennifer Timrott, Vorsitzende)Mail: post@kueste-gegen-plastik.deWir sollten versuchen, die bestehenden Initiativen zu vernetzen und nicht noch mehr zu starten. Und das meine ich auch themenuübergreifend…. Klima, Insektenschutz, Dieselskandal, Plastkvermeidung…..

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