Ich war im September/Oktober 2019 vier Wochen in China. Ich war in Peking, Xi’an, Shanghai, Hangzhou und in den Yandang Bergen bei Yueking. Anschliessend weiter nach Hongkong und dann wieder nach Hause.

Ich bin sehr beeindruckt von diesem Land und den Menschen, die mir begegnet sind. Ich habe schon lange nicht mehr so viele neue Eindrücke Und Ideen erhalten, wie auf dieser Reise. Mein Kopf ist voller Bilder, Gerüche, Geschichten, Fragen, dem Surren von Elektrorollern, -autos und -bussen und teilweise auch widersprüchlichen Ereignissen. Es reicht vermutlich für ein paar Blogposts :) Ich starte mal mit Teil 1 – Ankunft

Ich bin gemeinsam mit der Liebsten gereist und wir wollten das weitgehend selbst organisieren, also keine Gruppenreise oder so. Ich war schon mal 2012 in Shanghai beim Joomladay und letztes Jahr kurz in Vietnam. Ansonsten habe ich sehr wenig Bezug zu Asien.

Seit ein, zwei Jahren nehmen wir uns mehr Zeit zu reisen, mehr als 14 Tage am Stück haben wir bisher aber nicht geschafft :) Insgesamt hatten wir in den letzten 23 Jahren wenig “Urlaub”.

Meistens verbinden wir geschäftliche Termine im Ausland mit einem Zusatztag “Urlaub” und das war es dann auch schon. Dieses Mal gab es auch geschäftliche Termine aber wir haben auch bewusst ein paar Tage Urlaub gehabt.

Visa

Um in China einreisen zu können, benötigt man ein Visum. Dazu betreibt das Land in vielen Ländern Visa Application Center (https://www.visaforchina.org). Das nächstgelegene Center für uns liegt in Barcelona, also beschlossen wir dort unser Visa zu beantragen. Unser Wohnsitz ist in Frankreich, die Reisepässe sind aus Deutschland. Die Beantragung des Visas in Spanien stellte das Team dort schon auf eine harte Probe. Normalerweise sollte die Anreise nach China aus dem Land, aus dem der Reisepass stammt, gebucht (und nachgewiesen) werden. Wir hatten aber nur einen Flug von Barcelona aus. Also stellte sich die Frage, wie wir denn von Deutschland nach Barcelona kommen. Wir haben dann gemeinsam mit der sehr freundlichen Sachbearbeiterin in der Wikipedia nach dem Schengen Abkommen gesucht und dem Visantrag viele handschriftliche Zusatznotizen beigefügt. Der Antrag geht dann zusammen mit dem Reisepass an die Chinesische Botschaft in Madrid. Dort wird der Fall bearbeitet. Wenn man nichts Gegenteiliges hört, kann man etwa zwei Wochen später das Visa abholen. Das klappte bei uns problemlos, für zwei Personen kostet das Visa 253 Euro. Als praktische Vorbereitung las ich das Buch Der Masterplan – Chinas Weg zur Hightech- Weltherrschaft von Stephan Scheuer – Ein lesenswertes Buch!

Anreise

Wir sind nach Peking geflogen und dort auf dem “alten” Flughafen, Beijing Capital International Airport (BCIA), angekommen. Ich sage deswegen alt, weil der “neue” Flughafen Peking-Daxing kurz vor der Eröffnung war und mittlerweile eröffnet ist. Nun ist es aber nicht so, dass der neue Flughafen (geplant für 100 Mio Passagiere/Jahr) den alten Flughafen (82 Mio Passagier/Jahr) ablöst. Beide werden benötigt und ein weiterer soll gebaut werden. Zum Vergleich, der Flughafen Frankfurt/Main hatte 2018 ein Passagieraufkommen von 69 Mio Passagiere/Jahr.

Das Erste, was mir nach der Ankunft auffiel, waren Kameras und Menschen. Überall hingen Kameras und überall sind Menschen. Um die Einreise zügig zu ermöglichen, gibt es Automaten, die deine Fingerabdrücke abnehmen und dich fotografieren. Nach der Prozedur erhältst du einen kleinen Zettel. Auf diesem Zettel stand OK und es erinnerte mich doch stark an das Buch Qualityland :)

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The answer to every question 😉 #qualityland

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Diese Vorgehensweise beschleunigte die Bearbeitung jedoch tatsächlich ungemein und ich hatte den Eindruck, dass ich auf dieser Reise nie wieder warten musste. Ich war jetzt irgendwie “drin”.

Internet

China zensiert das Internet und Seiten wie Google, Facebook, Instagram, WhatsApp und Telegram sind nicht aufrufbar. So habe ich es im Buch und in vielen Artikeln gelesen. Also war ich mit einem VPN natürlich vorbereitet für alle Fälle. Unser französischer Telefonprovider (free.fr) bietet jedoch 25 GB freies Roaming in China Mainland. Ich hatte also ab der erste Sekunde auf diesem Flughafen eine 4G Verbindung. Keine Website war gesperrt, alles Services wie beispielsweise Google Maps funktionierten. Das war auch praktisch, denn wir wollten den Bus nehmen um zu unserem Hotel zu kommen. Andersherum funktioniert es übrigens genauso. Wenn jemand mit einer chinesischen SIM Karte nach Europa kommt, so ändert sich beim Data Roaming nichts. In diesem Fall sind die oben genannten Dienste geblockt.

Erste Eindrücke

Die Ausschilderung auf dem Flughafen ist in Chinesisch und in English. Es gibt kaum Personen, die English sprechen. Den richtigen Bus zu finden war daher ein erster Test, klappte aber erstaunlich gut. Als wir in der Nähe des Hotels ausstiegen, fiel mir auf, das es sehr ruhig ist in dieser Stadt. Dann fiel mir auf, warum. Alle! Zweiräder und Dreiräder sind elektrisch angetrieben. Autos und Busse sind ebenfalls oft elektrisch unterwegs … gefühlt jedes dritte Auto und jeder zweite Bus. Ich kannte weder die Automarken, noch die Typen. Wir fanden das Hotel auf Anhieb, es war nur ein paar Hundert Meter von der Bushaltestelle entfernt. Bei der Planung haben wir darauf geachtet, von chinesischen Firmen betriebene Hotels zu buchen. Ausnahmslos alle Hotels auf der Reise waren sehr modern, mit einem gutem Service. Ich schreibe das, weil wir auf Booking und TripAdvisor sehr viele Bewertungen gelesen hatten, die vor allen möglichen Unzulänglichkeiten warnten, beispielsweise dem Hinweis, dass man doch Toilettenpapier mitnehmen sollte. Wir können alle gebuchten Hotels uneingeschränkt empfehlen. Die Sterne Kategorien sind in China allerdings anders als in Europa. Außerdem benötigen Hotels, in denen Ausländer übernachten eine spezielle Genehmigung. Die Pässe werden dabei jedes Mal mit Lesegeräten überprüft. Die ganz modernen Hotels hatten auch Gesichtserkennung.

Im Hotel wurden wir darauf hingewiesen, dass am letzten Tag unseres Aufenthalts die Umgebung um das Hotel abgesperrt sein wird wegen der Feierlichkeiten zum 70sten Jahrestag. Man riet uns lieber ein anderes Hotel zu buchen. Da wir in der Nähe der Verbotenen Stadt und des Tian’anmen Platzes waren, unternahmen wir erstmal einen ausgedehnten Spaziergang.

Peking – verbotene Stadt – Tian’anmen Platz

Das Gelände ist riesig und es ist schwer einen Überblick zu bekommen. In den Straßen sahen wir Vorbereitungen für die Feier. In erster Linie hunderte von mobilen Toiletten und viele Absperrgitter. Die Zugänge zum Tian’anmen Platz wurden kontrolliert. Die Taschen wurden geröntgt und wir mussten unsere Pässe zeigen. Personen mit chinesischer ID Card wurden per Gesichtserkennung oder ihrer ID erkannt. Es waren sehr wenige Ausländer dort, vielleicht fünf auf tausend Chinesen. Die Stimmung war sehr freundlich und ausgelassen und irgendwie war klar. Hier wird es bald eine große Party geben.

Great hall of the people
Selfie vor der großen Halle des Volkes
Tiananman Square
Tian’anmen Platz

Als gelernter Westler fällt mir natürlich sofort das Bild von den Aufständen 1989 mit dem Mann vor dem Panzer ein und ich hatte schon ein eigenartiges Gefühl dort zu sein.

Tiananman Square
Besucher
Tiananman Square
Wachpersonal

Die Stimmung bei den Menschen war wirklich gut. Auch die Wachleute waren freundlich. Ich konnte fotografieren was ich wollte. Ich war ein wenig verwirrt. Das Mao Mausoleum war leider geschlossen. Es sollte aber am nächsten Tag ab 7 Uhr geöffnet sein. Die verbotene Stadt schließt um 17 Uhr, gegen 18 Uhr wird es dunkel und leer und so liefen wir zur Wangfujing Street, einer Einkaufsstraße mit Apple Store, Shopping Malls und viel blink blink.


hier geht es zu Teil 2

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