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China – Teil 7 – Long Jing Tee

Wir sind in Hangzhou. Hangzhou liegt in der Provinz Zhejiang und ist wieder so eine chinesische Millionenstadt, von der ich vorher mal gehört hatte, sie aber nicht wirklich einordnen konnte. Die Stadt liegt knapp 200 km südwestlich von Shanghai, und hat gut 9 Millionen Einwohner. Die dokumentierte Geschichte reicht bis ins Jahr 221 v. Chr. zurück. Hangzhou war im 13. Jahrhundert die grösste Stadt der Welt mit etwa einer Million Einwohner. In Hangzhou gibt es, neben zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten, den West Lake. Er ist seit 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und eine der grössten Sehenswürdigkeiten in China. Er wurde im 8. Jahrhundert künstlich angelegt und ist umgeben von Sehenswürdigkeiten. Der West Lake wurde in vielen chinesischen Städten kopiert. Insgesamt gibt es 36 West Lakes in China und ein paar in Japan. Aber eigentlich geht es ja heute um Tee …

Long Jing heisst auf deutsch übersetzt Drachenquelle oder auf englisch Dragon Well. Der Tee wurde in der Qing Dynastie zum “kaiserlichen Tee” erhoben. Neben der Drachenquelle wurde ein kaiserliches Teehaus errichtet. Heute muss Tee mindestens aus der Provinz Zhejiang, China kommen um als Long Jing Tee bezeichnet werden zu können. Nur Tee aus dem West Lake-Gebiet in Hangzhou gilt als echter Long Jing.

Long Jing Tea, Hangzhou

Die meisten Long Jing-Tees auf dem Markt kommen nicht aus Hangzhou. Das Aroma und der Geschmack der “unechten” Long Jing-Tees sind bei weitem nicht so komplex und langanhaltend wie beim echten Tee.

Das Long Jing Teegebiet ist heute von der Stadt Hangzhou umgeben. Es hat eine Fläche von 150 Quadratkilometern und fühlt sich daher wirklich gross an, wenn man darin spazieren geht. Imposant bei einem Blick auf die Karte ist auch die schiere Grösse der Stadt und des Flusses (Qiantang), der durch sie fliesst.

Karte von Hangzhou mit West Lake und Teeanbaugebiet.

Innerhalb des Long Jing Gebiets liegen mehrere Dörfer. Es ist nicht möglich, einfach mit dem Auto dort hinzufahren. Am Eingang des Gebietes sind Schranken und der Zugang wird kontrolliert. Das ist für Fussgänger gut, denn ohne viele Autos lässt es sich gut über Strassen und Wege spazieren und durch die Teefelder streifen. In den Dörfern sind viele Restaurants und es ist heute eine sehr teure und teilweise sehr luxuriöse Gegend.

Etwa in der Mitte des Gebiets, am Rande von Long Jing Village befindet sich das kaiserliche Teehaus mit der Drachenquelle. Das Teehaus liegt auf einer Anhöhe mit einem wunderschönen Blick über das Gebiet. Die gesamte Umgebung des Hauses ist “Feng Shui-mässig” sowas von harmonisch, mit kleinen Wasserläufen und Wasserbecken. Das Foto kann das nicht wirklich wiedergeben :)

The Emperor’s Tea House with the old Dragon well
Kaiserliches Teehaus mit Drachenquelle

Die Drachenquelle selbst ist eher ein Rinnsal und bei unserem Besuch wurde der Pavillon davor gerade renoviert. Wir konnten allerdings problemlos durch die Baustelle gehen :)

Wooden Temple kit
“Teehausbausatz”

Im Dorf verkaufen die Teepflanzer ihrem Long Jing Tee. Ich als Kaffeetrinker bin mit Tee eher unerfahren aber ich kenne das Prinzip der Teezeremonien mit den verschiedenen Aufgüssen und so …

Long Jing tea
Frisch eingegossen
Long Jing tea
Nach ein paar Minuten sinken die Teeblätter zu Boden
Long Jing Tea
Erster Aufguss

Ich sitze da also vor meinem Glas, es duftet alles ganz wunderbar nach Tee, die Sonne scheint und dann sinkt das erste Teeblatt in perfekter Harmonie auf den Grund des Glases (Schaut euch das Video an, dagegen sind die Bewegungen in einer Lava Lampe hektisch). Die Vögel zwitschern, der Himmel ist blau. Auf dem Weg vor meinem Tisch fahren Teepflanzer mit Elektrorollern Teeblätter durch die Gegend und jemand bringt noch ein paar Früchte zum knabbern.

Schön ist es hier, schön harmonisch … :)

Long Jing Tea, Hangzhou
Du musst drauf klicken um das Video sehen zu können.

Genau diese Harmonie macht die Gegend um den West Lake aus. Ich habe das auf der Chinareise schon öfter bemerkt, aber ich kann noch nicht gut beschreiben, woran ich diese Harmonie eigentlich festmache. In den vergangenen Blog Posts habe ich oft das Wort beeindruckend verwendet aber das ist es eigentlich nicht. Es ist so ein Gefühl der Perfektion, der Vollständigkeit. Es ist richtig, so wie es ist. Mehr würde es wieder kaputt machen.

Ich versuche mal zu beschreiben, was ich meine: Wir gehen auf einem Weg und können durch ein paar Bäume hindurch einen kleinen See blicken. An den Rändern des Sees stehen Lotuspflanzen, im klaren Wasser sieht man rote Koi Karpfen und grosse Libellen ihre Kreise ziehen. Am Ende des Sees steht ein Teehaus in satten roten Farben mit einem kühn geschwungenen Dach, die Terrasse vor dem Teehaus reicht bis in den See. Lackierte Säulen innerhalb des Sees halten die Terrasse. Ein kleiner Weg mit einem aufwendige geschnitztem Geländer führt über mehrere kleine Brücken auf die Terrasse. Am Dach des Teehauses hängen ein paar Glocken, die hin und wieder vom leichten Wind bewegt werden und dann sehr dezent erklingen. Auf der Terrasse stehen ein paar Tische. An einem Tisch sitzt jemand, trinkt Tee und schaut auf den See. Daneben sitzt jemand und zeichnet etwas auf Papier … und dann fliegt neben mir ein grosser, bunter Schmetterling vorbei und ich kann den Luftzug seiner Flügel spüren. Das klingt vermutlich schräg und schwülstig aber genau so ein Gefühl hatte ich nun schon ein paar Mal hier :)

Und wie ist das nun mit dem Tee?

Der Tee schmeckt mir sehr gut (mild, süsslich), der zweite Aufguss ist meiner Meinung nach am besten. Er wird einmal im Jahr im Frühjahr geerntet. Je eher er geerntet wird (ab April), desto besser ist die Qualität. Die Blätter müssen klein und zart sein. Die Pflücker pflücken jeweils ein oder zwei Blätter. Die sind dann etwa ein bis zwei Zentimeter lang. Das sorgfältige Pflücken von Hand macht neben dem Rösten die Qualität aus. Ein guter Teepflücker schafft pro Tag in 10 Stunden 2.000 Gramm Teeblätter. Die Blätter werden dann nebeneinander gelegt und 8-10 Stunden getrocknet. Anschliessend werden die Blätter, ebenfalls per Hand, geröstet um den natürlichen Oxidationsprozess zu verhindern. Die richtige Temperatur des Woks wird mit den Händen erfühlt. Ein Röster braucht etwa drei Jahre Erfahrung, um dann, wenn es gut gut läuft, etwa 1.000 Gramm Tee pro Tag in guter Qualität rösten zu können.

Rösten des Tees … https://en.wikipedia.org/wiki/Longjing_tea

Der Tee ist daher recht teuer und gilt in China als absolute Delikatesse.

Ausser diesem Wunderland des Teeanbaus gibt es am Anfang des Teegebietes das nationale chinesische Teemuseum. Das Museum liegt an einem Hang umgeben von Teebüschen und gibt einen guten Überblick über tausende Jahre Teegeschichte, ich sage nur …. Harmonie :).

Man kann dort auch Tee verkosten. Das hört sich so einfach an, aber es dauert mindestens eine halbe Stunde. Die Prozedur erinnerte mich etwas ans Cocktail mixen. Man sitzt an einem Tisch, gegenüber der Person, die den Tee zubereitet. Aus vielen Schälchen werden Teeblätter und Teeblüten zu den verschiedensten Mischungen zusammengestellt und können probiert werden. Es ist wie eine sehr lange Weinprobe.

Der Weg in die Stadt führt dann an vielen Lotusblüten im West Lake vorbei, die Sonne geht unter, Menschen lassen Drachen steigen, ein Boot fährt über den See – hach :)

Lotus Flowers
Dragon boat - West Lake, Hangzhou
A kite over West Lake
Drachen

Dann überqueren wir die Strasse und zack, sind wir wieder in einer riesigen, pulsierenden Stadt.

Mehr Artikel über China Teil 1 -Ankunft | Teil 2 – verbotene Stadt | Teil 3 – Die Mauer | Teil 4 – Xi’an | Teil 5 – Shanghai | Teil 6 – Hongkong | Teil 7 – Long Jing Tee |

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