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Berufsvorbereitung am THG in Wolfenbüttel

Ich war am Donnerstag, 27.02.2020 beim Forum für Berufsvorbereitung an meiner ehemaligen Schule eingeladen. Es gibt dort einen Ehemaligenverband, der gemeinsam mit der Schule diese Veranstaltung organisiert. Ehemalige SchülerInnen sollten den jetzigen SchülerInnen der 10ten Klassen von ihrem Werdegang erzählen und dann auf Fragen antworten. Es gab vier Teams mit jeweils drei oder vier Ehemaligen, die in jeder Klasse jeweils 20 Minuten eine kleine Vorstellungsrunde machten und dann auf Fragen antworteten.

Den SchülerInnen sollten die Lebensläufe der Ehemaligen “bekannt” sein. Ich hatte mein LinkedIn Profil im Vorfeld an die Schule verschickt.

Vor dem “SchülerInnen-Kontakt” gab es eine Vorstellungsrunde in der Schulbibliothek, in der die Ehemaligen von der Schulleiterin (Sandra Feuge), Lehrern (Rikwa Stübig) und dem Vorsitzenden des Ehemaligenvereins (Jürgen Wuttig) begrüßt wurden und sich gegenseitig vorstellten.

Es war eine bunte Gruppe mit interessanten Leuten. Die jüngste Ehemalige, Marina Brockmann, hat 2017 Abitur gemacht und macht jetzt bei Airbus in Hamburg eine Ausbildung, ich glaube es war Mechatronik. Irgendwie ist das auch noch mit der privaten Hochschule 21 in Buxtehude verbunden. Ich habe das auf die Schnelle nicht ganz verstanden 😉.

Ich mache ein praxisintegriertes Duales Studium bei Airbus. Bedeutet, dass mein Semester aus drei Monaten Theorie (die ich an der hochschule 21 in Buxte verbringe) und drei Monaten Praxis (die ich dann irgendwo bei Airbus verbringe) besteht. So kann ich Grundinhalte einer Mechatronik-Ausbildung (sowas wie Fräsen, Drehen, klassisch Feilen, etc) mitnehmen, aber auch in verschiedene Ingenieursbereiche hereinschnuppern und gucken, was machen die da so tagtäglich, was kann ich mir auch für mich vorstellen.

Marina Brockmann hat mir das in einem Chat nochmal verdeutlicht

Sie arbeitet aber im Sommer in Toulouse und da wollen wir uns mal treffen. Der älteste Ehemalige ist über 70 und war Leiter eines Katasteramts. 

Ich war in der Gruppe der Selbstständigen, zusammen mit einem Osteopathen (Frank Kirstein), einer Unternehmensberaterin (Gabriela Aßmann) und einem nicht ganz so selbständigen, aber wichtigem Angestellten einer Rückversicherung (Ralf Lohse, Hannover Re).

Als wir in den ersten  Klassenraum gingen, war das ein komisches Gefühl für mich. Da sitzen so um die 20 16-jährige, die in drei Jahren Abitur machen werden und gucken uns etwas verschüchtert, aber durchaus wohlwollend an.

Es war bestimmt das gleiche Gefühl, das ich damals hatte, wenn zu meiner Schulzeit alte Menschen (>45) die Klasse betraten. Die kamen aus einer anderen Welt, die nicht die meine war.

Die Zeit war sehr kurz, es kamen aber doch ein paar Fragen und für ein paar kurze Momente hatte ich das Gefühl – es ist gut, was wir hier machen.

Mir ist aber auch schlagartig klar geworden, wie weit ich mich von dieser Art des Unterrichtens entfernt habe. Ich arbeite seit 25 Jahren mehr oder weniger remote in unterschiedlichen Ländern. Ich bin selbstständig und mache weitgehend was ich will. Wenn ich up to date bleiben will, muss ich die Hälfte meiner Zeit mit Lernen verbringen (vermutlich ein ähnliches Verhältnis wie bei den SchülerInnen). Ich wohne nicht in Deutschland und habe schon seit über 20 Jahren keinen Fernseher.

Selbstständigkeit ist in Deutschland nicht besonders verbreitet. Die Zahl der Selbständigen nahm außerdem in den letzten Jahren ab. Die Gründe sind vielfältig.

Statistisches Bundesamt

Viele konnten es nicht glauben, dass ich aus Frankreich nur wegen dieses Termins angereist bin. Ich habe darauf geantwortet, dass sich auf dieser Reise ja auch Möglichkeiten für mich bieten etwas zu lernen, also durchaus eine win-win Situation. Manchmal bezahlen mich Menschen für meine Arbeit, manchmal eben nicht. Das ist normal, wenn man mit Free and Open Source Software arbeitet.
Außerdem dachte ich, es wäre gut mit der Bahn zu fahren statt zu fliegen (siehe auch Hagen fährt Zug).

Ein paar Fragen an mich waren. 

  • Wie hast du deine Firma gegründet? (Einfach so, ich brauchte kein Geld von der Bank und kein Büro)
  • Warum bist du nach Frankreich gegangen? (Ich wollte nicht nach Frankreich sondern eher weg aus Deutschland wegen: Schlechtes Wetter, viele Nazis, schlechtes Internet)
  • Was war dein Schnitt im Abitur und war das wichtig für dich? (3.7 und nein, ich wurde nie danach gefragt. Heute kann ich damit kokettieren)
  • Wusstest du was du werden wolltest als du so alt warst wie wir? (Nein)

In einer Klasse habe ich @hagengraf mit Kreide an die Tafel geschrieben und jetzt habe ich fünf elf neue Instagram Follower – Hey, willkommen 👋🏻
Diese Instagram Accounts sind aber meistens nicht öffentlich und haben auch nicht viel Bilder. Ich werde herausfinden warum 😀.

Update 1.3.2020: Instagram wird zum Chatten verwendet. Viele laden keine Fotos hoch, sondern gucken bei anderen die Fotos an. Ansonsten ist SnapChat verbreitet. Innerhalb der Schule gibt es das iServ System (Groupware) mit E-Mail, Foren und Chat. Das wird genutzt, um mit Lehrern zu kommunizieren. Untereinander hat jede Klasse eine WhatsApp Gruppe, um sich bzgl. Hausaufgaben auszutauschen. Bisher sind mehrere Leute interessiert ein “Ehemaligen/Schüler-Austauch-Whatever-Netz” zu bauen. Ich habe mit Lori eine WhatsApp Gruppe zur Diskussion eingerichtet. Schaut mal rein.

Nach viermal 20 Minuten und einer Möglichkeit für interessierte SchülerInnen noch direkt Fragen zu stellen (es kamen sogar ein paar 👍), gab es dann noch eine Feedback Runde unter den Ehemaligen. Jürgen Wuttig fragte nach unseren Eindrücken und bat um Hinweise, wie man es besser machen kann.

Die SchülerInnen hatten wohl wenig Zeit sich auf diesen Tag vorzubereiten. Ansonsten waren alle recht zufrieden, der Pressemensch, der das Event begleiten und einen Artikel in der Zeitung schreiben sollte, war leider nicht da.

Nach ziemlich viel Diskussion (meine Empfindung) habe ich (hoffentlich freundlich) gefragt, ob es denn ein online Verzeichnis der Ehemaligen gibt (gibt es nicht) um den heutigen SchülerInnen eine permanente Möglichkeit des Kontakts mit Ehemaligen zu geben.

Ein Professor von der Fachhochschule WF, Andreas Ligocki (XING) sagte, sie hatten das gleiche Problem und jahrelang keine Lösung, nun haben sie sich entschlossen das über XING Gruppen zu machen. Das funktioniert wohl ganz gut.

Die anderen Lehrer beklagten sich, dass sie WhatsApp, Instagram und Facebook nicht nutzen dürfen.

Ich habe dann gefragt, ob wir das nicht irgendwie online lösen können?

Die Schule hat mehr als 500 Schüler, die sich vermutlich ein eigenes virtuelles Netz aus Social Media Systemen und Games geknüpft haben. Mit Open Source Software könnte man vieles anbieten und nutzen und die SchülerInnen würden dabei lernen (Stichwort Fediverse, Matrix, Nextcloud, etc)

Ich habe (erste) Hilfe bei der Vernetzung angeboten.

Bei meinem Klassentreffen letztes Jahr hatten wir ein ähnliches Problem und ich hatte eine Drupal Site gebaut in die sich die Leute selbst eintragen konnten (Abi-1984.de). Das könnte man ja erweitern für alle Jahrgänge. Fanden alle gut.

Ich werde so eine Drupal Site in den nächsten Tagen aufsetzen und vielleicht geht es organisatorisch, dass sich SchülerInnen zukünftig daran beteiligen. Dann können wir daraus eine Ehemaligen-Plattform bauen.

Der Ehemaligenverband will dieses Jahr wohl noch ein Event dieser Art durchführen.

Für mich war das Event sehr interessant. Ich war sehr überrascht, wie wenig sich seit 1984 an der Schule (und vermutlich DEN Schulen allgemein) geändert hat. Mein Eindruck ist, dass das Thema Medienkompetenz und Digitalisierung in erster Linie mit dem Kauf von Dingen (elektronische Tafeln, Tablets, PCs, Software) angegangen wird, die dann schwer zu benutzen und teilweise schon wieder veraltet sind (Das mag jetzt sehr drastisch formuliert sein und vermutlich verhält es sich so ähnlich wie das Verhältnis von Maschinen, Bürokratie und Pflegepersonal in Krankenhäusern). Dazu kommt, dass es wohl sehr von der Partei abhängt, die gerade im Kultusministerium regiert, was gefördert wird und was nicht. Schulen erhalten dann entsprechende Vorgaben “von oben”. 

Hilfreich wäre meines Erachtens Hilfe bei den ganz konkreten Zusammenhängen der Dinge, die uns heute umgeben und denen, die in den nächsten Jahren wichtig werden.

Da könnte der Ehemaligenverein sicher etwas tun.

 Jedes Jahr kommen zwischen 50 und 100 Ehemalige hinzu. Über 30 Jahre sprechen wir da von mehreren tausend Personen im Berufsleben – welch ein Netzwerk an Erfahrungen und Möglichkeiten!

Das fanden auch alle gut, aber die meisten haben aufgegeben sich um so etwas zu kümmern. Es wird nicht bezahlt und hängt dann an einzelnen engagierten Personen.

Noch ein Grund mehr das gemeinsam und dezentral mit Open Source Software anzugehen.

Und vielleicht können wir ja außer in Wolfenbüttel auch mal Workshops in Fitou machen. Sowas motiviert auch ungemein 😉

Links

Weitere Artikel über das Event bitte als Kommentar hier posten.

1 reply on “Berufsvorbereitung am THG in Wolfenbüttel”

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