Die Sammlung Schlumpf

BUGATTI BIPLACE SPORT TYPE 16 - 1912 / FRANCE 4 CYLINDRES / 5027 CM3 100 CV / 160 KM/H

Die Sammlung Schlumpf ist heute das grösste Automobilmuseum der Welt. Ich habe im Jahr 1977 das erste Mal davon gehört. 1977 war es noch kein Automobilmuseum sondern eine Textilfabrik, die gerade bankrott gegangen war. Die Fabrik gehörte Fritz und Hans Schlumpf und sie verhandelten zu dieser Zeit mit ihren Gläubigern. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen wurde das Fabrikgelände von den Arbeitern und der Gewerkschaft besetzt.

Die Sammlung bestand zu dieser Zeit aus etwa 500 Fahrzeugen, die Fritz Schlumpf zwischen 1961 und 1963 über Strohmänner kaufte, in Eisenbahnwagen unerkannt in die Fabrik transportierte und in einem Atelier, das sich ebenfalls in der Firma befand, restaurieren liess. Ausser 87 Bugatti sind Fahrzeuge von etwa 100 Automarken ab dem Jahr 1878 in der Sammlung vertreten. 1965 wurde die Existenz der Sammlung durch einen Zeitungsartikel bekannt. Daraufhin beschlossen die Brüder ein Museum für die Fahrzeuge in einer Lagerhalle der Textilfabrik zu bauen. Aus den Resten der alten Pariser Markthallen wurde ein Großteil der Säulen (mit anhängenden Leuchten) erworben und in die Lagerhalle eingefügt. Die Automobile wurde während der Umbauarbeiten der Halle mit großem Aufwand restauriert. Auch 10 Jahre später war die Existenz der Sammlung nur wenigen Menschen bekannt. 1976 kam es zum Bankrott der Firma und die Brüder hätten die Sammlung verkaufen müssen um die Gläubiger zu befriedigen. Nach dem Streik 1977 wurde erstmals eine breite Öffentlichkeit auf die Sammlung und deren kulturellen Wert aufmerksam und nach weiteren Jahren der Verhandlungen wurde die Sammlung schliesslich “verstaatlicht” und die Gläubiger mit 44 Millionen Franc entschädigt. 1982 eröffnete dann das Nationale Automobilmuseum in Mulhouse für die Allgemeinheit.

Seit 16 Jahren fahre ich nun mehrmals im Jahr an dieser Sammlung vorbei. Ich wollte mir das eigentlich schon so lange mal ansehen, aber irgendwas kam immer dazwischen. Nun hat es endlich geklappt und nun bin ich schlicht “hin und weg”.

Warum ist es so interessant?

Ja das ist gar nicht so einfach. Da stehen mal eben ein Dutzend blaue Bugattis in einer Reihe, wie auf einem Parkplatz.

Eine Reihe Bugatti Rennwagen

Es ist wie eine Zeitreise. Wie ein Kinofilm (in Farbe). Es geht um Handwerk, Materialien, Ideen, Farben, Eleganz, Kunst, Technik, Fortschritt und natürlich auch Macht und Einfluss (Es gibt auch eine Reihe mit Rolls Royce :) ).

Rolls Royce

Es liegt viel Geschichte und Kreativität und Erfindergeist in der Luft. Hier beispielsweise ein Bugatti mit einer rahmenlosen Frontscheibe – 1936!

BUGATTI COACH TYPE 57

Die Fahrzeuge sind wunderschön und ich würde die auch heute gern mal fahren. Hier ein paar Beispiele, die mir besonders gut gefallen haben:


PANHARD-LEVASSOR COUPÉ-CHAUFFEUR TYPE X8

1911 / FRANCE
6 CYLINDRES / 3619 CM3
18 CV / 90 KM/H

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutete jede Reise eine regelrechte Expedition. Der Fahrer musste eine ganze Reihe von Werkzeugen zur Hand haben, um gegen alle möglichen Vorfälle gewappnet zu sein. Panhard stattete die Wagen mit Trittbrettwerkzeugkasten aus. Hier steht praktisch ein ganzer Taxistand.


BUGATTI TORPEDO TYPE 17

1914 / FRANCE
4 CYLINDRES / 1368 CM3
18 CV / 95 KM/H

Der Typ 17 ist eine geräumigere Version des Typ 13, der für eine sportliche Klientel bestimmt war. Die Karosserie aus Mahagony ist einem Bootsrumpf nachempfunden. Es ist so elegant!


BUGATTI TORPEDO BIPLACE SPORT TYPE 38

1927 / FRANCE
8 CYLINDRES / 1991 CM3
70 CV / 130 KM/H


HISPANO-SUIZA CABRIOLET K6

1932 /FRANCE
6 CYLINDRES / 5183 CM3
120 CV / 145 KM/H

Der 1934 präsentierte K6 nahm verschiedene Elemente des J12 auf, um die Nachfolge des H6 zu gewährleisten. Es wurden nur rund 200
Exemplare angefertigt, bevor der Hesteller seine Automobilproduktion einstellte. Dieses Modell wurde von Van Vooren in Courbevoie karossiert.


BUGATTI COACH TYPE 55

1934 / FRANCE
8 CYLINDRES / 2261 CM3
160 CV / 180 KM/H


FIAT-ROADSTER TYPE 508S

1936 / ITALIE
4 CYLINDRES / 995 CM3
36 CV / 115 KM/H

Diese 508S Balilla „Coppa d’oro”, die von Ghia entwickelt wurden und mit einer robusten Mechanik ausgestattet waren, errangen sowohl auf der Straße als auch bei Rennen erwähnenswerte Erfolge.


ARZENS BIPLACE « L’OEUF»

1942 / FRANCE
1 CYLINDRE / 125 CM3
5,5 CV / 80 KM/H

Dieses eigenwillige Fahrzeug war mit seinem Design seiner Zeit weit voraus.


Ich höre hier mal auf, denn es sind 450 Autos und über jedes könnte ich vermutlich mehrere Blogposts schreiben.


In diesem Museum befinden sich übrigens auch zwei Bugatti – Typ 41 Royale (und zwei weitere in Einzelteilen). Von diesem Modell wurden insgesamt nur sechs gebaut wurden. So sah das Auto damals aus:

Jean Bugatti vor einem Bugatti – Typ 41

Auch ein Mercedes Benz Silberpfeil und ein Bugatti 251 sind vertreten. Ausserdem gibt es Fahrzeuge der Marken AdlerAFG Grégoire, Alart, Alfa RomeoAlpineAmilcarArzensAsterAudiBallotBardonBarréBaudierBenettonBentleyBenzBerlietB.N.C.BrasierCharronCisitaliCitroënClément-BayardClément-De DionClément-PanhardCorre-La LicorneDaimlerDarracqDecauvilleDe DietrichDe Dion-BoutonDelageDelahayeDelaunay-Belleville DufauxEsculapeFacel VegaFarmanFerrariFiatFordFouillaronGardner-SerpolletGeorges RichardGladiatorGordiniGrégoireHermes-SimplexHispano-SuizaHorchHotchkiss-GrégoireHurtuIsotta FraschiniJacquot DampfwagenJordanLanciaLe GuiLe ZèbreLéon BolléeLigierLion-PeugeotLorraine-DietrichLotusMAFMaseratiMathisMaurer-UnionMaybachMcLarenMenierMercedesMercedes-BenzMinervaMonet et GoyonMorsOMPanhardPanhard & LevassorPeugeotPhilosPic-Pic, PiccoloPilainPorscheRenaultRhédaRochet-SchneiderRolls-RoyceSageSalmsonScottSénéchalSimcaSizaire-NaudinSoncinSSSteyrTalbot-LagoTrabantTractaVaillante, Valentine, Violet-BogeyVoisin WilliamsZedel

Wenn ihr mal in der Nähe seid, schaut es euch an – es ist einfach unglaublich.

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